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09.11.2021

Flechten: Was wächst denn da am Baum?

Auf Zweigen und Ästen von Gehölzen sind manchmal grünliche, schwefelgelbe oder sogar orange-rot gefärbte krustige Überzüge zu finden. Im Herbst und Winter sind diese Überzüge besonders auffällig, weil die Zweige nicht belaubt sind.

Deshalb geraten diese Beläge in den Verdacht Krankheitserreger oder Parasiten zu sein. Aber keine Angst! Es handelt sich nur um harmlose, sehr einfache Lebewesen, nämlich Flechten. Flechten sind eine Lebensgemeinschaft aus einem Pilz und einer Alge. Sie benutzen die Rinde von Sträuchern oder Bäumen nur als Oberfläche, auf der sie wachsen können. Das Wasser und die Nährstoffe, die sie zum Gedeihen brauchen, beziehen sie aus der Luft und nicht aus der Pflanze, auf der sie wachsen. Dementsprechend langsam ist ihre Entwicklung. Manche Arten dieser Überlebenskünstler findet man selbst auf Steinen oder Mauern.

Der Grund warum diese Krusten auf manchen Ästen besonders prominent hervortreten ist meistens darin zu finden, dass es sich schon um ältere Zweige mit einem geringeren Wachstum handelt, der Ast bereits abgestorben ist oder aufgrund von Lichtmangel kaum noch wächst. Auf diesem „ruhigen“ Untergrund breiten sich Flechten besonders gut aus. Sie können also ein „Indikator“ dafür sein, dass es einen bestimmten Grund für die Schwachwüchsigkeit ihrer Unterlage gibt. Sie selbst sind aber nicht der Auslöser dafür.

Ursache für geringes Wachstum kann einfach eine Überalterung des Gehölzes sein, ein Mangel an Wasser oder zu wenig Nährstoffe, eine Krankheit oder mangelnder Schnitt.

So kann ein Verjüngungsschnitt im Spätwinter, eine Maßnahme gegen geringes Wachstum sein. Hainbuchen oder Ligusterhecken können dabei stark ausgelichtet (hier vor allem die älteren Triebe entfernen) oder sogar kniehoch „auf Stock gesetzt“ werden. Der Strauch treibt daraufhin wieder stark aus. Speziell bei Hainbuchenhecken können auch einzelne Astpartien herausgeschnitten werden, um wieder mehr Licht in die Hecke zu lassen. Das Resultat von jährlichem Schnitt nur an der Oberfläche der Hecke ist Lichtmangel im Inneren, wodurch dort die Zweige verkahlen. Ideale Voraussetzungen für Bewuchs mit Flechten.

Die Bekämpfung von Flechten mit Pflanzenschutzmitteln hingegen wäre nicht nur schädlich für die Umwelt, sondern auch völlig sinnlos, da diese Organismen dem Gehölz keinen Schaden zufügen.

Weitere Infos erhalten Sie bei der Grünraumservicestelle  von „Natur im Garten“ unter 02742-74333 bzw. gartentelefon@naturimgarten.at

Bernhard Haidler, Natur im Garten

– I.WEIPPL (Quelle: Natur im Garten, entgeltliche Einschaltung des Landes Niederösterreich)

 

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