Marktgemeinde Loosdorf

Sicherheit

18.07.2022

Blackout-Simulation für Gemeinden und Krisenstäbe

Mit „Neustart“ steht ein Werkzeug zur Verfügung, um die Tragweite eines Blackouts zu erfassen und gleichzeitig die Krisenbewältigung simulieren und trainieren zu können.

Blackout-Vorsorge jetzt wichtiger denn je

Das mögliche Szenario eines europaweiten Strom-, Infrastruktur- sowie Versorgungsausfalls („Blackout“) ist mittlerweile in der Gesellschaft breiter angekommen. Gleichzeitig ist das Risiko aktuell so hoch wie nie zu vor. Der Ukrainekrieg hat eine Reihe von Folgekrisen losgetreten, die erst in den nächsten Monaten und Jahren wirklich sichtbar werden. Besonders betroffen sind internationale Lieferketten, etwa auch bei der Lebensmittelversorgung.

Die drohende Gaslieferunterbrechung oder selbst gesetzte EU-Sanktionen könnten rasch zu massiven Versorgungsproblemen führen, wovon auch die Stromerzeugung betroffen sein könnte. In Frankreich sind gerade die Hälfe der Atomkraftwerke aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Niemand weiß, für wie lange.

Ein erwarteter Hitzesommer 2022 könnte zusätzlich zu einem Kühlproblem bei konventionellen Kraftwerken führen. Viele Einzelereignisse, die alle zusammenhängen und das europäische Stromversorgungssystem zunehmend unter Druck setzen. Daher ist eine Blackout-Vorsorge wichtiger denn je. Auch eine mögliche Pandemie oder ein Krieg in Europa wurden kaum für möglich gehalten und dennoch sind sie eingetreten.

Risiko wird immer noch unterschätzt

Leider wird das Szenario Blackout nach wie vor unterschätzt und zum Teil heruntergespielt, da die tatsächliche Tragweite eines solchen Ereignisses kaum bewusst ist. Aussagen, wie „Zwei bis drei Tage Vorsorge reichen völlig aus“ verkennen die Realität eines Lieferkettenkollapses, wie er nach einem großflächigen Stromausfall zu erwarten ist. Gerade die vergangenen beiden Jahre haben gezeigt, welche schwerwiegenden Störungen in den Lieferketten durch Einzelereignisse ausgelöst werden können.

Telefon fällt länger aus als Strom

Daher ist es erfreulich, dass immer mehr Kommunen das Thema Blackout-Vorsorge aufgreifen. Leider geht es dabei häufig noch primär um die Anschaffung eines Notstromaggregates. Besonders unterschätzt wird der Ausfall der Telekommunikationsversorgung, welcher auch deutlich länger als der Stromausfall dauern wird. Damit wird eine erfolgreiche Krisenbewältigung sehr schwierig.

Der kritischste Faktor ist die mangelhafte Eigenversorgungsfähigkeit der Bevölkerung, da niemand Millionen Menschen bei einer gleichzeitigen eigenen Betroffenheit notversorgen kann. Gleich danach kommt die Infrastrukturgrundversorgung in den Kommunen. Funktioniert die Wasserversorgung nicht, wie das durchaus häufiger zu erwarten ist, ist eine Krisenbewältigung kaum mehr möglich. Und so greifen viele Dinge ineinander, die uns im Alltag selten bewusst sind.

Wie kann man sich auf ein solches Szenario vorbereiten oder es sogar üben?

So sieht das Simulationsspiel “Neustart” aus. Bild: gfkv

Diese Frage hat sich Till Meyer, ein Entwickler von didaktischen Spielen, sowie Herbert Saurugg, internationaler Blackout- und Krisenvorsorgeexperte, gestellt und daraus in den letzten drei Jahren die Blackout-Simulation Neustartentwickelt.

Damit steht nun Gemeinden und Städten ein nützliches Werkzeug zur Verfügung, um die Tragweite eines Blackouts zu erfassen und gleichzeitig die Krisenbewältigung simulieren und trainieren zu können.

Für den Ernstfall lernen

Mit Neustart wird auch das unverzichtbare Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure, inklusive mit der Bevölkerung vermittelt. Über diese Simulationserfahrungen können wichtige Ableitungen für die eigenen Vorsorgemaßnahmen getroffen werden. Neustart hilft daher nicht nur kommunalen Krisenstäben bei der Krisenvorbereitung. Auch Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben oder Unternehmen können daraus viel lernen und das Zusammenspiel in Krisensituationen trainieren.

Der Einstieg in die Simulation ist durchaus herausfordernd, da viele Dinge gleichzeitig erfasst werden müssen. Genauso verhält es sich in jeder Krisenlage, wo sich die Akteure auch erst einen Überblick verschaffen müssen, mit unzureichenden Informationen oder einer Informationsflut konfrontiert sind. Neustart adressiert daher viele Aspekte in der realen Krisenbewältigung, die sonst nur zeit- und ressourcenaufwendig simuliert werden können. Neustart wurde zudem so konzipiert, dass die Simulation auch ohne Expertenbegleitung angewendet werden kann.

Spiel als Training für Fachpersonal

Es stehen grundsätzlich zwei Versionen zur Verfügung: Die Basisversion, die sich an Spielergruppen richtet und die professionelle Version für das Training von Fachpersonal. Diese Version enthält ein zusätzliches Praxishandbuch mit weiterführenden Informationen sowie den Zugang zu einem Online-Forum für den Austausch mit den Entwicklern und anderen professionellen Anwendern.

Auch, wenn ein großes Interesse bei Kommunen sowie Einsatz- und Hilfsorganisationen im D-A-CH-Raum erwartet wurde, hat die bisherige Resonanz auf Neustart doch überrascht. Daher wird bereits die zweite Auflage geplant, welche auf Basis von Vorbestellungen und möglichen Kooperationspartnern kalkuliert wird. Bei der Abnahme einer größeren Stückzahl gibt es auch interessante Staffelpreise. Weiters gibt es die Möglichkeit, einer personalisierten Ausgabe, z. B. als Werbegeschenk.

Simulationsspiel für alle OÖ Gemeinden

Besonders erfreulich ist die Kooperation mit dem Land Oberösterreich, welches Neustart bereits für alle oberösterreichischen Gemeinden angekauft hat. Die Auslieferung an die Gemeinden befindet sich in Vorbereitung.

-H. SAURUGG

Zum Autor

Herbert Saurugg ist internationaler Blackout- und Energiewende-Experte, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV), Autor zahlreicher Fachpublikationen sowie gefragter Keynote-Speaker und Interviewpartner zu einem europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall.

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