Cyberangriffe nehmen zu, Bewusstsein ist aber kaum vorhanden
Gegen Cyberangriffe ist jedoch kaum ein Gebäude ausreichend geschützt – in vielen Fällen sogar überhaupt nicht. Das war schon in der Vergangenheit so, und ist es in erschreckendem Ausmaß auch in der Gegenwart. Mit der Fülle an Funktionen, die an und in einem smarten Gebäude digital gesteuert werden können, haben sich die Bedrohungsszenarien in den vergangenen Jahren enorm ausgeweitet, das Bewusstsein der Errichter und Betreiber solcher Gebäude daür jedoch kaum. Das mag daran liegen, dass die meisten Hacker-Attacken, die es bisher in die Medien schafften, nur die IT Security betrafen. Bei Gebäuden ist jedoch genauso die Operational Technology (OT), zu Deutsch die Betriebstechnologie angreifbar, und zwar desto stärker, je mehr OT und IT zusammenrücken, und genau das tun sie bei smarten Gebäuden. Grundsätzlich umfasst die IT alle Systeme zur Verarbeitung, Nutzung, Speicherung und zum Austausch von Informationen. Das können Büro-Anwendungen, Auftrags-, Buchhaltungs-, Personal- oder Dokumentenverwaltungs-Systeme sein.
Betroffen sein können alle digitalen Systeme der Verwaltung. ©Firmbee/Pixabay
Oberstes Schutzziel bei der IT ist die Vertraulichkeit. Die OT hingegen ist für die Überwachung und Steuerung von physischen Prozessen, Geräten und Infrastrukturen verantwortlich. Beispiele dafür sind Gebäudeautomation, Energie-Management, Produktionsteuerung oder physische Sicherheitssysteme. Am wichtigsten in diesem Fall ist nicht die Vertraulichkeit, sondern die Verfügbarkeit. Kurz gesagt, geht es bei der IT um Daten und bei der OT um Geräte.
Die Herausforderungen sind in beiden „Welten“ ähnlich, aber die Realität sieht in der IT- und der Gebäudesicherheit ganz anders aus.Während der Lebenszyklus eines Produktes in der IT im Schnitt drei bis fünf Jahre umfasst, sind es in der OT bis zu 40 Jahre. In der IT wird die Software (oft gezwungenermaßen) aktualisiert, in der OT hingegen läuft ein System solange es nur irgendwie möglich ist. Dementsprechend heterogen sind auch die Betriebssysteme und Programme, die in der OT eingesetzt sind.
EU-Richtlinie für Cybersicherheit
Mit der EU-Richtlinie über Maßnahmen für ein hohes gemeinsames Cybersicherheitsniveau in der gesamten Union, auch bekannt als NIS2-Richtlinie, erlangt BACnet Secure Connect einen wesentlichen Bedeutungszuwachs. Die Richtlinie stellt die EU-weite Gesetzgebung zur Cybersicherheit dar und enthält rechtliche Maßnahmen zur Steigerung des Gesamtniveaus der Cybersicherheit in der EU. Sie weitet den Anwendungsbereichs der Cybersicherheitsvorschriften im Vergleich zur schon länger bestehenden NIS1-Richtlinie auf weitere Sektoren und Einrichtungen aus, um die Resilienz- und Reaktionskapazitäten öffentlicher und privater Stellen, der zuständigen Behörden und der EU insgesamt zu verbessern. Zu diesen Sektoren gehören schon bisher das Gesundheitswesen oder die Wasserversorgung, neu beispielsweise sind die Abwasser- und Abfallbewirtschaftung, Post- und Kurierdienste, oder die öffentliche Verwaltung. Spätestens am 18. Oktober 2024 tritt die NIS2-Richtlinie in Kraft. Ab da wird es erforderlich sein, die erhöhten Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Ein Beispiel für eine bereits erfolgte Umsetzung mit BACnet Secure Connect, die dem Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetzes (NISG) in der Gebäudetechnik entspricht, ist etwa das Krankenhaus Oberwart. Durch die NIS2-Richtlinie werden vielerorts Modernisierungen notwendig. Generell empfiehlt es sich aber dringend, auch außerhalb dieser Sektoren mit hoher Kritikalität auf eine zeitgemäß gesicherte Gebäudetechnik zu achten, denn das Bedrohungsszenario der Cyberkriminalität ist stetig steigend. Der Cybercrime Report 2022 des Bundeskriminalamts zeigt eine Verdreifachung der angezeigten Fälle im Zeitraum von 2018 bis 2022 von knapp 20.000 auf über 60.000. Die Aufklärungsquote stagniert dabei in etwa bei einem Drittel. Der aktuellste Cybersicherheitsbericht des Bundeskanzleramtes zeigt zudem nach Befragung führender privater Unternehmen aus der Cybersicherheitsbranche, dass die Ursache für knapp drei Viertel aller Sicherheitsvorfälle in kriminell-monetären bzw. Rache-Motiven liegen dürfte. Nicht zuletzt aufgrund dieser Entwicklungen war die digitale Sicherheit bei der Gebäudeautomatisation das zentrale Thema beim ersten Cyber-Security Immo Summit, der Ende Oktober von der Plattform „Digital Findet Stadt“ in Wien veranstaltet wurde.Demonstration eines Hackerangriffs
Im Zuge des Events fand ein Live-Hack durch Marco Di Filippo statt. Der Computerenthusiast gehört zu den whitelisthackers, ist also einer von den „Guten“. Seit mehr als 20 Jahren ist er im Bereich Informationssicherheit bzw. Cybersecurity tätig, wobei sein Spezialgebiet organisatorische und technische IT-Sicherheitsprüfungen und -konzepte sind. Anhand eines Koffers, dessen Inhalt gängige Gebäudetechnik simulierte, zeigte er in einer eindrucksvollen Demonstration, wie leicht sich Sachkundige Zugang zu PV-Anlagen, Heiz- und Gebäudekontrollsystemen verschaffen können. In einer weiteren Vorführung von ihm konnte man Schritt für Schritt miterleben, was dazu notwendig ist um sich in real existierende Anlagen zu „hacken“. Der Begriff steht deshalb unter Anführungszeichen, da es durchaus möglich ist, in solche Systeme einzudringen, auch ohne dass man fundierte Programmier- oder Coding-Kentnisse besitzt. Alles was er dazu brauchte war Equipment, das zusammengerechnet keine 1.000 Euro kostete und im Wesentlichen aus einem Laptop bestand. Hinzu kamen vier, teilweise im Darknet verortete, Internet-Seiten, mithilfe derer er schneller leichte Angriffsziele ausfindig machen konnte. So gelang es Di Filippo binnen weniger Minuten in das Netzwerk einzudringen, in dem sich die Photovoltaikanlage der Marktgemeinde Winklern in Kärnten befand.-REDAKTION (erstmals erschienen auf KOMMUNAL.at)


