Was haben ein Bürgermeister und ein Hausarzt gemeinsam? Beide müssen zuhören, Probleme erkennen, Lösungen finden und für die Menschen da sein. Dr. Peter Klar kennt beide Perspektiven: Er ist Bürgermeister von Laab im Walde in Niederösterreich und gleichzeitig Arzt für Allgemeinmedizin. In der neuen Folge von „Amtsgeheimnisse vor Ort“, dem Gemeindebund-Podcast, spricht Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl mit Peter Klar über seinen ungewöhnlichen beruflichen Weg, die Herausforderungen der medizinischen Versorgung und darüber, was Gemeinden tun können, um die Lebensqualität ihrer Bevölkerung langfristig zu sichern. Peter Klar:
„Sowohl als Arzt als auch als Bürgermeister geht es darum, Verantwortung zu übernehmen, Entwicklungen anzustoßen und konkrete Verbesserungen für die Menschen zu erreichen.“
Was ist ein PVZ?
Laab im Walde ist eine kleine Gemeinde in der Nähe von Wien, in der persönlicher Zusammenhalt und die Nähe zur Großstadt zusammentreffen. Aus einer Einzelpraxis entwickelte sich über eine Job-Sharing-Praxis und eine Gruppenpraxis das Primärversorgungszentrum (PVZ) Wienerwald. Peter Klar war maßgeblich an der Gründung beteiligt – damals ein Leuchtturmprojekt in einer eher ländlich geprägten Region.
Heute umfasst das Team rund 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und verzeichnet jährlich rund 120.000 Patientenkontakte. Hinzu kommen zahlreiche telefonische Kontakte und mehrere Tausend Hausbesuche. Das Angebot reicht damit weit über klassische Ordinationstermine hinaus. Ein wesentlicher Faktor ist die Verfügbarkeit: „Das PVZ ist grundsätzlich an 365 Tagen im Jahr geöffnet und arbeitet eng mit Rettungsdiensten, Pflegeeinrichtungen und weiteren regionalen Akteuren zusammen“, so Peter Klar.
Primärversorgungszentren als Ergänzung zum Hausarzt
Wie vertragen sich Primärversorgungszentren mit bestehenden Hausarztpraxen? Klar berichtet von anfänglichen Sorgen, dass ein PVZ anderen Ordinationen Patientinnen und Patienten wegnehmen könnte. In der Praxis sieht er jedoch zahlreiche Möglichkeiten der Zusammenarbeit: So kann ein PVZ Patientinnen und Patienten übernehmen, wenn eine bestehende Ordination vorübergehend geschlossen ist, Behandlungen fortführen oder Leistungen anbieten, für die andernorts die personellen oder technischen Voraussetzungen fehlen. „Angesichts des steigenden Versorgungsbedarfs geht es zunehmend weniger um Konkurrenz als um die Frage, wie alle Menschen die medizinische Betreuung erhalten, die sie benötigen“, unterstreicht Peter Klar.
„Nicht jeder Ort braucht eine Ordination„
Aus seiner Doppelrolle als Bürgermeister und Arzt plädiert Klar für einen Perspektivenwechsel. Jede Bevölkerung brauche erreichbare Ansprechpartner und eine verlässliche medizinische Versorgung. Daraus folge aber nicht, dass jeder Ort zwingend eine eigene, nur wenige Stunden geöffnete Ordination betreiben müsse.
Teamorientierte und multidisziplinäre Strukturen könnten Ressourcen bündeln und ein breiteres Leistungsspektrum ermöglichen – von ärztlicher Betreuung über Pflege bis hin zu therapeutischen Angeboten. Entscheidend seien die Erreichbarkeit, die Qualität und die Vernetzung der Versorgung.
Diagnose über Videocall
Auch die Digitalisierung eröffnet aus Klars Sicht neue Möglichkeiten, etwa durch Telemedizin. Das spart Wege und erleichtert die Vereinbarkeit von medizinischer Betreuung und Berufsalltag. Die persönliche Untersuchung bleibt für ihn dennoch ein zentraler Bestandteil guter Medizin. Telemedizin soll die Behandlung ergänzen, nicht ersetzen. Ähnlich sieht Klar den Einsatz künstlicher Intelligenz. Sie könne Ärztinnen und Ärzte bei komplexen Fällen oder beim Erkennen seltener Erkrankungen unterstützen. Voraussetzung seien ein sinnvoller Einsatz und die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen.
Gesundheitsreform: Finanzierung aus einer Hand
Zum Abschluss spricht Klar einen grundlegenden Punkt der Gesundheitsreform an: die Finanzierung aus einer Hand. Am Ende des Gesprächs bleibt eine klare Botschaft: Innovative Lösungen entstehen nicht nur in Städten. Auch Gemeinden und regionale Einrichtungen können zukunftsfähige Gesundheitsversorgung für die Menschen gestalten.
Die neue Folge von „Amtsgeheimnisse vor Ort“ hören Sie überall, wo es Podcasts gibt und auf der Webseite des Österreichischen Gemeindebundes.



