Kindesmissbrauch in Vereinen: Erste Gemeinde mit Schutzkonzept

Kindesmissbrauch im Sportverein, Trainer belästigt jahrelang dutzende Kinder: Solche Schlagzeilen liest man leider viel zu häufig. Die Gemeinde Bürmoos hat sich das zu Herzen genommen und klare Richtlinien zum Kinderschutz für und mit ihren Vereinen erarbeitet.

Kindesmissbrauch im Sportverein, Trainer belästigt jahrelang dutzende Kinder: Solche Schlagzeilen liest man leider viel zu häufig. Die Gemeinde Bürmoos hat sich das zu Herzen genommen und klare Richtlinien zum Kinderschutz für und mit ihren Vereinen erarbeitet.

Gefährdungsmeldungen um 110 Prozent gestiegen

„Anlassfall waren Medienberichte über Kindesmissbrauch“, erzählt Bürgermeisterin Cornelia Ecker, der das Thema schon lange am Herzen liegt. Immerhin hat die Zahl der Gefährdungsmeldungen von Kindern und Jugendlichen an die Behörde im Bezirk Flachgau in Salzburg in den letzten Jahren um 111% zugenommen. “Diese erschreckende Zahl hat uns in dem Vorhaben bestärkt”, so Ecker.

Breiter Schulterschluss mit allen Vereinen

„Wir haben alle Vereine eingeladen, wo Kinder vertreten sind“, führt die Bürgermeisterin aus. Der Einladung wurde nicht nur Folge geleistet – die Rückmeldungen waren mehr als positiv: „Die Bereitschaft, mitzuarbeiten, war sehr groß. Es haben wirklich alle Vereine das Projekt auf breiten Schultern mitgetragen.“ Und so entstand ein Leitfaden, der unter dem Titel „Kinderschutzrichtlinie“ hilfreiche Informationen bietet, wie man im Verdachtsfall von Kindesmissbrauch in Vereinsstrukturen umgeht und welche Maßnahmen getroffen werden sollten, damit es erst gar nicht so weit kommen kann. Vor allem ist es bewusstseinsbildendes Projekt der Gemeinde. Weil es sich um ein sehr sensibles Thema handelt, hat sich die Gemeinde auch Experten ins Boot geholt.

Tipp: Profis mit ins Boot holen!

Mit den Kinderfreunden Salzburg war auch psychologisch geschultes Personal im Erarbeitungsprozess vertreten. „Da geht es zum Beispiel um Situationen, wo ein Kind einem etwas anvertraut und darum bittet, es niemandem zu erzählen. Das sind sehr heikle Situationen“, so Ortschefin Cornelia Ecker, die eine professionelle Begleitung unbedingt empfiehlt. Von den Kinderfreunden gibt es übrigens bereits ein allgemeines Kinderschutzkonzept. Bürmoos hat sich im Leitfaden speziell auf die örtlichen Vereinsstrukturen und auch die konkreten räumlichen Gegebenheiten fokussiert.

„Ich habe das Gefühl, dass wir durch den Prozess noch enger mit den Vereinen zusammengewachsen sind, mit dem gemeinsamen Ziel, Kinder zu schützen und ihnen ein behütetes Umfeld zu bieten“, so Cornelia Ecker. Sie empfiehlt jeder Gemeinde, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Immerhin ist Österreich eines der wenigen Länder, wo Ehrenamtliche in Vereinen kein Leumundszeugnis vorlegen müssen – obwohl dies für Vereine sogar kostenlos ist. „Man kann in jedem Verein jemanden haben, der das ausnützt und oftmals nicht weiter auffällt, bis Missbrauchsfälle öffentlich werden“, so die Bürgermeisterin.

Sie ist überzeugt: „Als Bürgermeisterin, aber auch als Mutter von zwei Kindern sage ich: Kinder gehören geschützt. Vereine müssen sichere Orte sein, damit junge Menschen dort ihre Talente ausleben und entfalten können.“

Interessierten Gemeinden stellt Bürmoos auf Anfrage die Kinderschutzrichtlinie gerne zur Orientierung zur Verfügung.

Von: Eva Schubert

Empfehlungen für dich:

Anmeldung mit ID Austria
ID Austria

Melden Sie sich hier bequem mit
Ihrer ID Austria an.

Mit ID Austria anmelden Weitere Informationen zur ID Austria