Bauamtsleiter spricht Klartext: „Ein Gemeindejob ist alles andere als langweilig“

Alexander Schulter ist Mitte fünfzig, begeisterter Marathonläufer – und auch beruflich ein Ausdauersportler. Der gebürtige Grödiger arbeitet seit 30 Jahren im Bauamt und leitet heute das Bauamt der Gemeinde Hof bei Salzburg. Für ihn ist es ein Beruf aus Leidenschaft – auch wenn die Realität oft anders aussieht, als viele Menschen sich die Arbeit bei einer Gemeinde vorstellen.

„Eigentlich bin ich durch einen Zufall bei der Gemeinde gelandet“, so Schulter. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung begann er zunächst bei einer Bank zu arbeiten. „Das hat mich aber nicht glücklich gemacht. Die Arbeit war einfach nicht besonders spannend.“ Den entscheidenden Hinweis erhielt er von seiner Mutter, die in der Gemeindezeitung eine Stellenanzeige entdeckte. Mitte der 1990er-Jahre startete Schulter daraufhin seine Laufbahn im Bauamt seiner Heimatgemeinde Grödig. Dort blieb er 16 Jahre, bevor er nach Oberalm wechselte und schließlich zum Bauamtsleiter aufstieg. Acht Jahre später führte ihn sein Weg nach Hof bei Salzburg. Dort lernte er rasch, wie unterschiedlich Gemeinden organisiert sein können.

Jede Gemeinde tickt anders

„Das Baurecht ist zwar Landesrecht, aber die personelle Ausstattung hängt von jeder einzelnen Gemeinde ab“, erklärt Schulter. Während größere Gemeinden mehrere Mitarbeiter im Bauamt beschäftigen, müssen kleinere mit deutlich weniger Personal auskommen.

In Oberalm sei das Bauamt zeitweise eine „One-Man-Show“ gewesen. „Urlaub zu machen ist schwierig, wenn niemand da ist, der die Vertretung übernehmen kann.“ In Hof arbeitet er mittlerweile mit einem Mitarbeiter im Team, was die Aufgabenverteilung und Urlaubsvertretung deutlich erleichtert.

Wer mit Schulter über Raumordnung, Widmungen oder Baubewilligungen spricht, merkt schnell, wie sehr ihn sein Fachgebiet begeistert. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem Raumordnungsverfahren, Baubescheide, straßenpolizeiliche Angelegenheiten, das Abgabenmanagement, die Betreuung von Ausschüssen und die Führung von Gebäuderegistern.

„Es ist ein unglaublich vielseitiger Beruf, bei dem man ständig dazulernt“, sagt er. Gerade im Baurecht würden sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen laufend ändern. Selbst vergleichsweise kleine Vorhaben wie Luftwärmepumpen oder Gartenhütten müssen behördlich erfasst und geprüft werden.

Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Beteiligten – von Anrainern und Sachverständigen bis hin zu anderen Verwaltungsbereichen wie Meldeamt oder Finanzverwaltung. Um fachlich auf dem neuesten Stand zu bleiben, besucht Schulter mindestens zweimal jährlich Fortbildungen im Bereich Raumordnungs- und Baurecht.

„Die Leute werden streitsüchtiger“

Was der Bauamtsleiter auch beobachtet: „Die Gesellschaft verändert sich. Ich bin jetzt seit 30 Jahren in diesem Beruf und habe das Gefühl, dass die Menschen streitsüchtiger geworden sind.“ Früher habe man behördlichen Auskünften häufiger vertraut. Heute würden viele Bürger zunächst einen Anwalt konsultieren oder Informationen über Künstliche Intelligenz einholen.

Auch Nachbarschaftskonflikte hätten deutlich zugenommen. „Mit den Nachbarn steht und fällt oft ein Verfahren. Als Behörde müssen wir jeden Einwand prüfen und behandeln.“ Dabei gehe es häufig um sehr emotionale Themen. Letztlich müsse jedoch die Rechtslage entscheiden. „Es gibt kein Recht auf schöne Aussicht und auch kein Recht auf eine grüne Wiese vor dem eigenen Fenster – auch wenn sich das viele wünschen.“

Dass das nicht jedem gefalle, weiß Schulter aus eigener Erfahrung: „Ich musste auch schon Bürger aus dem Büro schicken, nachdem sie mich beschimpft hatten. In so einem Moment schluckt man erst einmal.“ Doch am Ende des Tages gelte: „Grund und Boden nicht vermehrbar.“  Auch gegenüber der Politik müsse die Verwaltung gelegentlich auf die gesetzlichen Grenzen hinweisen. „Nicht alles, was politisch gewünscht wird, ist rechtlich möglich.“

Wer will noch bei der Gemeinde arbeiten?

Die Herausforderungen des Berufs würden oft unterschätzt, sagt Schulter. Als Bauamtsleiter trage er große Verantwortung und sei bereits als Auskunftsperson vor Gericht geladen worden.

„Wenn eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingebracht wird, ist das belastend – selbst wenn man überzeugt ist, korrekt gearbeitet zu haben.“ Solche Verfahren würden viele Mitarbeiter psychisch beschäftigen.

Kein Wunder also, dass es zunehmend schwieriger werde, qualifiziertes Personal für Führungspositionen in der Gemeindeverwaltung zu finden. Schulter sieht dabei auch die Rahmenbedingungen kritisch. „Es bräuchte ein gerechteres Entlohnungssystem“, sagt er. Zudem spricht er sich für bessere Aufstiegsmöglichkeiten für langjährige Führungskräfte ohne Matura aus. „Viele Gemeinden sehen solche Änderungen naturgemäß kritisch, weil sie zusätzliche Kosten verursachen würden.“

Erschwerend komme das zunehmende parteipolitische Kräftemessen in manchen Gemeinden hinzu. „Wenn es in Gemeindevertretungen nur noch darum geht, sich gegenseitig eines auszuwischen, leidet die Verwaltung darunter.“ Gerade in kleineren Gemeinden sollte der Fokus auf der Sache liegen, ist Schulter überzeugt.

„Wer nur Daten in den Computer klopfen will, ist hier falsch“

Trotz aller Herausforderungen bereut der 56-Jährige seine Berufswahl keine Sekunde. Besonders motivierend sei es, wenn Bürger ihre Bewilligungen schneller als erwartet erhalten und sich darüber freuen. „Es macht mir Spaß, Menschen fachlich zu beraten und ihnen weiterzuhelfen. Dafür bekommt man oft sehr positives Feedback.“ Seine größte Motivation sei jedoch der eigene Anspruch an gute Arbeit. „Am meisten freut es mich, wenn ich mir selbst beweisen kann, dass ich eine Aufgabe nach bestem Wissen und Gewissen gelöst habe.“

Für ihn steht fest: „Ein Gemeindejob ist alles andere als langweilig.“ Wer lediglich stur Daten in den Computer hineinklopfen und pünktlich nach Hause gehen wolle, sei in diesem Beruf fehl am Platz. „In allen drei Gemeinden, in denen ich gearbeitet habe, war die Arbeit abwechslungsreich, spannend und voller Herausforderungen“, erzählt Alexander Schulter.

Ausgleich auf der Marathonstrecke

Die Arbeit kann noch so interessant sein – nach einem langen Arbeitstag braucht auch ein Bauamtsleiter einen Ausgleich. Für Schulter ist das seit rund 20 Jahren das Marathonlaufen: „Vor allem in einem überwiegend sitzenden Job ist der Sport für mich umso wichtiger.“

Im Durchschnitt absolviert er zwei Marathons pro Jahr. Bereits erfolgreich absolviert hat er unter anderem den New York City Marathon und den Tokio-Marathon. Die sportlichen Herausforderungen verbindet er gerne mit Städtereisen. „Das Laufen war immer mein Ausgleich. Aber jeder muss seinen eigenen Weg finden, um abzuschalten. Das kann ich nur jedem mitgeben.“

Von: Eva Schubert

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