86 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sind mit der Lebensqualität in ihrer Gemeinde sehr oder eher zufrieden. Das zeigt eine im Auftrag des auch für die Regionen zuständigen Landwirtschaftsministeriums erstellte Studie des IFDD. 72 Prozent sind zuversichtlich, dass auch in Zukunft die Lebensqualität gut ist. Je kleiner die Gemeinde, desto höher ist auch die Einschätzung der Lebensqualität. In größeren Gemeinden ist die Zukunftsskepsis höher.
Für die repräsentative Studie des Institut für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD) wurden im April 3.000 Personen ab 16 Jahren befragt. Die Schwankungsbreite liegt bei plus/minus 1,8 Prozent. Für die genauere Analyse wurden drei Gruppen erstellt: Gemeinden unter 5.000 Einwohnern, Gemeinden mit 5.000 bis 19.999 Einwohnern und Gemeinden ab 20.000 Einwohnern.
Priorität haben Arbeitsplätze, Bildung und Leerstand
Abgefragt wurden auch Prioritäten für künftige Gemeindeprojekte, wobei auch Mehrfachnennungen möglich waren. Ganz vorne liegen dabei mehr oder weniger Kopf an Kopf Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung (29 Prozent), Bildungseinrichtungen (28 Prozent) sowie Leerstand und Ortskernentwicklung (27 Prozent), knapp dahinter der Ausbau erneuerbarer Energien (23 Prozent) sowie regionale Lebensmittel und Direktvermarktung (20 Prozent).
Auch hier gibt es Unterschiede nach Gemeindegröße: In den kleinen Gemeinden waren Themen wie Nahversorgung, Erreichbarkeit, Katastrophenschutz und Zusammenarbeit stärker im Vordergrund. In den mittleren Gemeinden wurden Leerstand, Ortskernentwicklung, regionale Lebensmittel und Direktvermarktung als besonders wichtig eingestuft. In den großen Gemeinden wiederum wurden Bildung, Klimaschutz, erneuerbare Energie, Kreislaufwirtschaft sowie soziales Zusammenleben und Integration häufiger genannt.
Gasthaus und Fleischhauer fehlen am meisten
Grundsätzlich positiv bewertet wird die Versorgung in den Gemeinden – Spitzenwerte erreichen die Wasserversorgung bzw. die Abfallentsorgung. Am häufigsten als fehlend eingeschätzt (Mehrfachnennungen möglich) wurden Gastronomie (24 Prozent), Fleischhauer (20 Prozent), ärztliche Versorgung (17 Prozent) und Bäckereien/Lebensmittelgeschäfte (16 Prozent).
„Unser Ziel ist, diese hohe Lebensqualität nicht nur zu erhalten, sondern sie kontinuierlich weiter zu verbessern“, betonte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Allerdings müssten im nächsten EU-Budget die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Das betreffe vor allem die Finanzierung der Gemeinsamen Agrarpolitik bzw. der Kohäsionspolitik: „Wir brauchen Budgetkontinuität und Verlässlichkeit sowohl in der Regional- als auch in der Landwirtschaftspolitik.“ Für Österreich essenziell seien dabei das Österreichische Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL) und die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete.
Anerkennung für engagierte Menschen in der Gemeinde
„86 Prozent der Menschen sind mit der Lebensqualität in ihrer Gemeinde zufrieden. Das ist eine starke Anerkennung für alle, die vor Ort täglich Verantwortung übernehmen: Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Gemeindebedienstete, Vereine, Freiwillige und Betriebe. Dass die Zufriedenheit gerade in kleinen Gemeinden besonders hoch ist, bestärkt uns“, erklärt Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl zur vom Landwirtschaftsministerium präsentierten IFDD-Studie.
Für Pressl unterstreichen die Ergebnisse den Anspruch der Initiative „Heimat.Gemeinde“: „In der eigenen Heimat.Gemeinde erleben Menschen, was Zusammenhalt bedeutet und wie sie selbst etwas bewegen können. Hier wird Lebensqualität konkret: im Kindergarten, bei der verlässlichen Wasserversorgung und im lebendigen Vereinsleben. Dahinter stehen Menschen, die anpacken.“
Gemeinden brauchen finanzielle Basis
Diese Lebensqualität müsse auch künftig gesichert werden. „Die Menschen wünschen sich gute Bildungseinrichtungen, Arbeitsplätze und lebendige Ortskerne. Gemeinden wollen daran arbeiten und investieren. Dafür brauchen sie eine verlässliche finanzielle Basis und praktikable Rahmenbedingungen. Bund und Länder sind gefordert, diesen Handlungsspielraum zu sichern. Wer Lebensqualität vor Ort erhalten will, muss den Gemeinden auch die Kraft zum Gestalten geben“, so Pressl.



