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05.03.2021

Prüfen, ob ein Haus noch “ganz dicht ist”

Das Geld kann man nicht nur beim Fenster raus werfen, sondern auch raus heizen. Schwachstellen, wo ungewollt Wärme entströmt, deckt zum Beispiel Energieberater Andreas Radauer mit seiner Infrarotkamera auf.

Die Infrarotkamera sieht ein wenig aus wie eine überdimensionale Sofortbildkamera, kann aber weitaus mehr. „Ich sehe ganz deutlich, wo Wärme entströmt, erstelle eine Expertise und berate den Hausbesitzer, wie er Geld sparen und gleichzeitig zum Klimaschutz beitragen kann“, erklärt Radauer.

„Faszinierend, wie hier fast schon detektivisch vorgegangenen und mit Technik sowie Erfahrung festgestellt wird, wo es doch noch Verbesserungspotenzial gibt. Danach können wir durch ein Sanierungskonzept und entsprechenden Förderungen gezielt handeln“, meinte Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn bei einem Versuch in der Gemeinde Hallwang.

Dort wurde unter anderem das Haus von Bürgermeister Johannes Ebner unter die thermische Lupe genommen. „Wir haben es vor zirka zehn Jahren gebaut und ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Anscheinend passt alles, wir heizen nicht beim Fenster hinaus“, schmunzelt der Bürgermeister.

Unterstützung für Gemeinden

Das Salzburger Institut für Raumordnung (SIR) berät im Auftrag des Landes die aktuell 36 Kommunen im e5-Landesprogramm für energieeffiziente Gemeinden. „Wir unterstützen in allen relevanten Bereichen, um die Energiewende voran zu treiben. Wir sind auf einem guten Weg, aber natürlich ginge noch mehr. Weitere Mitstreiter im e5-Programm sind immer willkommen“, so Peter Stiegler vom SIR.

Thermografie ist Grundlage für Sanierung

„Die Thermografie ist ein erster, wichtiger Schritt, um Wärmeverluste und Schwachstellen bei einem Gebäude aufzuspüren. Die Aufnahmen sind die Grundlage für eine Sanierung, um dann Heizkosten zu reduzieren und Energie einzusparen“, so Heinrich Schellhorn, der hinzufügt: „Gut gedämmte Gebäude sparen einerseits Energie und damit Heizkosten, andererseits nimmt die Behaglichkeit deutlich zu, wenn die Außenwände nicht mehr kalt sind.“

24 Gemeinden auf „Wärmekarte“

24 der 36 Salzburger e5-Gemeinden beteiligen sich an der heurigen Schwerpunktaktion. Mehr als 80 Gebäude wurden in den vergangenen Wochen genauer unter die Lupe genommen. Etwa 1,3 Millionen Kilowattstunden Energie können alleine diese Gebäude bei entsprechender Sanierung jährlich einsparen. Auf die nächsten 25 Jahre gerechnet entspricht das einer Kosteneinsparung von über drei Millionen Euro. Zusätzlich kann die Umwelt durch die Einsparung von über 10.000 Tonnen CO2 entlastet werden.

Hallwang ist seit dem Vorjahr Mitglied im e5-Programm für energieeffiziente Gemeinden, zwölf Gebäude wurden hier thermografiert.

Einsparungen höher als Kosten

In Kooperation mit der Energieberatung Salzburg folgen nach den Bildaufnahmen auch Beratungen – kostenlos, individuell und produktneutral. Dabei wird besprochen, wo die größten Wärmeverluste sind und welche Einsparungen erzielt werden können, zum Beispiel durch Dämmung der Gebäudehülle. Die Kosten für die Hausbesitzer belaufen sich je nach Gemeindeförderung gerade einmal auf 99 bis 155 Euro für die Thermografie, die Langzeitersparnis liegt wesentlich höher.

Daten und Fakten

Land, Energieberatung Salzburg und e5-Gemeinden haben es sich schon seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, das Sparpotenzial durch Thermografie aufzuspüren. Seit vierzehn Jahren wurden mehr als 1.000 Gemeinde- und Wohngebäude mit Wärmebild-Aufnahmen überprüft.

Teilnehmende e5-Gemeinden der aktuellen Aktion sind Bad Vigaun, Bergheim, Berndorf, Bischofshofen, Bruck an der Glocknerstraße, Elixhausen, Faistenau, Goldegg, Hallwang, Henndorf am Wallersee, Köstendorf, Neumarkt am Wallersee, Saalfelden, Seekirchen am Wallersee, St. Georgen, St. Johann im Pongau, St. Koloman, St. Martin am Tennengebirge, Strobl am Wolfgangsee, Taxenbach, Thalgau, Thomatal, Wals-Siezenheim und Weißbach bei Lofer.

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