Paula Polak

Umwelt

07.04.2022

Heimische Wildstauden: Blütenreiches Gemeindegrün mit hohem ökologischen Wert

Titelbild: © Paula Polak

Durch die vielerorts zunehmende Trockenheit und der Häufung von Witterungsextremen sehen sich viele Gemeinden in der Grünraumbewirtschaftung stark mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert.

Wildstaudenbeete eignen sich aufgrund ihrer geringen Pflegeansprüche und ihrer hohen Toleranz gegenüber Trockenheit und Hitze sehr gut als klimafittes Straßenbegleitgrün.

Wildpflanzen aus regionaler Abstammung bieten für heimische Insekten und Vögel Nahrung durch Pollen, Nektar, Samen und Blätter. Sie stellen aber nicht nur einen besonders wertvollen und interessanten Lebensraum für Tiere dar, sondern zieren auch das Ortsgebiet.

Durch die Mischung vieler Arten in Staudenbeeten wechselt sich das Blütenspektrum über die Saison stets ab. Wichtig zu wissen ist, dass Wildpflanzen nicht über das ganze Jahr blühen. Im Herbst und über den Winter bieten abgestorbenes Pflanzenmaterial und Samen Überwinterungsquartier für Insekten und Nahrung für Vögel. Bewusstseinsbildung und Fachwissen rund um die Pflege sind besonders wichtig, um im Hinblick auf die Biodiversitätskrise das richtige zu tun und das Material nicht zu früh abzuräumen.

Mit Wildstaudenbeeten Kosten sparen

Wildstauden zeichnen sich dadurch aus, dass sie in ihrer ursprünglichen Form aus der Natur gärtnerisch vermehrt wurden. Durch aufwändige Saatgutgewinnung (Wildsammlungen aus der Natur) sind sie gegenüber herkömmlichen, züchterisch bearbeiteten Pflanzen oft teurer in der Anschaffung. In der Pflege hingegen sind sie weit anspruchsloser als ihre üppig blühenden Kollegen. So kann auf nährstoffreiche Erden, den Einsatz von Düngemitteln oder das regelmäßige Auswechseln der Bepflanzung im Beet verzichtet werden. Außerdem kommen standortangepasste Wildpflanzen besser mit trockenen und nährstoffarmen Standorten zurecht.

Lebensraum für Insekten und Vögel

In Pflanzbeete mit vielfältigen Wildstaudenarten finden nicht nur Honigbienen, sondern auch viele hochspezialisierte Wildbienenarten, Schmetterlinge und Vögel Nahrung.

Salbei, Echter Dost, Flockenblume, Leindotter oder Thymian bieten Nahrung für Honig- und Wildbienen. Schmetterlinge setzen sich zum Nektar saugen gerne auf Nelkenarten, Skabiosen oder Fetthennen-Arten. Der Distelfink ernährt sich von den Samen der Disteln, aber auch der Karden und Königskerzen.

Pflege im Wildstaudenbeet

Bei der Pflanzung und in den ersten Wochen nach der Pflanzung ist das Wässern für das anfängliche Wachstum der jungen Pflanzen wichtig. Dabei gilt, durchdringend, bodennah und am besten morgens gießen.

Durch den Einsatz von Mulchmaterialien wird der Beikrautdruck reduziert. Organische Mulchmaterialien sind ressourcenschonend und ökologisch wertvoll. Denn gleich von Anfang an kann so einer Überhitzung und dem Austrocknen des Bodens entgegenwirkt werden. Organischer Mulch wie zum Beispiel Flachs- oder Hanfschäben, Elefantengras (Miscanthus), Laubhäcksel oder Holzhäcksel können alternativ zu Stein- oder Kiesmulch eingesetzt werden. Diese Materialien sind leicht im Transport, zählen zu den nachwachsenden Rohstoffen und sind bei regionalen Produzenten erhältlich.

In der laufenden Pflege ist der Einsatz von Düngern oder von Pflanzenschutzmitteln nicht nötig. Es gilt regelmäßig zu beobachten und etwa 2-3 mal jährlich zu jäten.

Bei den „Natur im Garten“ Partnerbetrieben und unter den „Natur im Garten“ Gütesiegel-Produkten finden Sie eine Auswahl an vielseitig einsetzbaren Materialien:

https://www.naturimgarten.at/unser-angebot/unsere-partnerbetriebe.html

www.naturimgarten.at/guetesiegel

© Natur im Garten/ M. Liehl-Rainer

 

Pflanzpläne für Straßenbegleitgrün und naturnahe Vorgärten

Im Zuge des Interreg-Projektes SYM:BIO wurden Pflanzpläne für Wildstaudenbeete entwickelt. Sie stellen farblich abgestimmte Bepflanzungsvorschläge mit ganzjährigem Blütenflor dar. Die Pflanzenauswahl eignet sich für den Grünraum. Auch für naturnahe Vorgärten gibt es Vorschläge zur ökologisch wertvollen Bepflanzung.

Je nach Klimaregion (Wein- oder Waldviertel) gibt es Kombinationen in unterschiedlichen Farbvariationen (z.B. Blau-Gelb oder Violett-Purpur-Weiß, etc.). Die Pläne stehen zum Download unter https://www.naturimgarten.at/projekt-sym-bio.html zur Verfügung.

In der Staudenliste finden Sie zugehörig zu den Pflanzplänen kurze Pflanzen-Portraits und Bilder: https://www.naturimgarten.at/files/content/files/symbio-staudenliste_klimafitte-pflanzungen_web.pdf

© Natur im Garten/ D. Tüchler

SYM:BIO Musterbeete in Gemeinden

Anhand dieser Pflanzpläne wurden im Wein- und Waldviertel sechs Musterbeete mit Wildstauden angelegt. Diese befinden sich in den Gemeinden Enzsersfeld, Groß Schweinbarth und Hardres, sowie in den Waldviertler Gemeinden Ottenschlag, Waldenstein und Pöggstall.

Die 2 x 2 m² großen Beete wurden im Mai 2021 gepflanzt und mit organischen Materialien gemulcht. Sie sollen anderen Gemeinden als Inspiration für eine Bepflanzung mit Wildstauden, sowie als Anstoß zur ökologischen Pflege im Grünraum dienen.

Die Beete werden regelmäßig über mehrere Jahre beobachtet. Im Austausch mit den „Natur im Garten“ RegionalberaterInnen werden die Erfahrungen zur Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegenüber Trockenheit und Hitze, zum Pflegeaufwand, sowie zur Zufriedenheit der Gemeinde mit den Pflanzen und dem Mulchmaterial gesammelt.

Am Ende der Projektlaufzeit fließen die Erfahrungen in einen Leitfaden zu Biodiversitätsförderung und trockenheitsangepassten Maßnahmen für öffentliche Grünflächen und Gärten ein.

Das Projekt SYM:BIO (ATCZ234) wird von der Europäischen Union durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Rahmen des Programms INTERREG V-A Österreich-Tschechien 2014-2020 kofinanziert.

– I.WEIPPL (Quelle: Natur im Garten, entgeltliche Einschaltung des Landes Niederösterreich)

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