Lieber klein und fein
Man muss einfach sagen, dass wir in Dorfbeuern herrliche wirtschaftliche, geografische und klimatische Bedingungen haben. Dazu kommt eine gute Infrastruktur mit einem umfangreichen Kinderbetreuungspaket: Kindergarten und Volksschule haben bis 16 Uhr geöffnet, ebenso die Neue Mittelschule. Wir haben einen großen Billa-Supermarkt mit 500 Quadratmetern, eine Bäckerei und zwei Gasthäuser. Dass wir kaum Industrie haben und jährlich nur 100.000 Euro an Kommunalsteuern bekommen, ist aus meiner Sicht überhaupt kein Fehler. Um ehrlich zu sein, beneide ich andere Gemeinden überhaupt nicht, wenn sie mit Betrieben vollgepumpt sind. Ganz abgesehen davon, dass das Thema Bodenversiegelung immer wichtiger wird, halte ich es mit der Devise: Lieber klein und fein.Schnelles Internet und Kindergärten
Wir haben als Gemeinde viel in die Infrastruktur investiert: Mobilfunkanlagen über das gesamte Gemeindegebiet, Glasfaserkabel für schnelles Internet bin hin zu den abgelegensten Höfen. Ein Problem ist, dass man bei uns fast auf ein eigenes Auto angewiesen ist. In der Regel haben die Menschen bei uns weitere Wege zur Arbeit. Es gibt zwar eine Busverbindung, die aber sehr starr ist. Es ist schwer, wenn man den öffentlichen Verkehr nutzen möchte, aber zugleich flexibel sein muss. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das nachvollziehbar: Busse sind teuer, die Fahrgastzahlen nicht besonders hoch. Mit den Nachbargemeinden denken wir nun über neue Lösungen nach, mit lokalen Busverbindungen. Ein Konzept dazu gibt es bereits, das aber noch in der Schublade liegt, weil es an der Finanzierung scheitert. Vielleicht wird das noch ein Thema.Zu wenig Bauland
Ein großes Thema sind natürlich die Jungen. Als Gemeinde versuchen wir, sie bei Bauvorhaben gut zu beraten, um gemeinsam Lösungen zu finden. Das Baurecht ist kompliziert, gerade draußen im Grünland. Oft geht es auch darum, bestehende Gebäude zu nutzen, um den Jungen eine Möglichkeit zu geben, dazubleiben. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage haben wir inzwischen fast zu wenig Bauland. Punktuell gelingt es uns aber immer wieder, einzelne Parzellen zu schaffen. Was sehr gut funktioniert, ist die Kinderbetreuung. Da investieren wir viel, gemeinsam mit unserer Nachbargemeinde schießen wir bei einem Kindergarten der Pfarrcaritas zu, der nun ausgebaut wird. Vielleicht haben wir auch deshalb eine sehr gute Geburtenrate: Das ist nämlich der Hauptgrund, warum wir in den letzten Jahren wieder gewachsen sind.Mit den Jungen in Kontakt bleiben
Ein großes Thema sind die Jungen, von denen natürlich viele irgendwann auf Achse gehen und in Innsbruck, Salzburg oder Wien studieren. Danach kommen aber sehr viele von ihnen gerne wieder zurück in ihren Heimatort. Ich denke, das liegt auch daran, dass wir als Gemeinde sehr viel für die Jugend machen. Außerdem gibt es bei uns sehr viele Vereine, die meisten haben starke Wurzeln zu den Eltern und Großeltern. Da gibt es eine enge Bindung. Bei knapp 300 Einwohnerinnen und Einwohnern kennt man einander außerdem – als Bürgermeisterin weiß ich in der Regel recht genau, wo sich unsere jungen Leute gerade aufhalten. Natürlich hält man da Kontakt, redet miteinander, wenn man sich im Wirtshaus oder bei Veranstaltungen trifft. Das ist wichtig, um die Bindung zum Heimatort zu stärken.Bei Zweitwohnsitzen heißt es Nein
Um neue Einwohnerinnen und Einwohner aus den urbanen Ballungszentren werben wir als Gemeinde nicht aktiv. Es gibt viele Menschen, die von der landschaftlichen Schönheit in Jungholz begeistert sind und gerne zu uns ziehen möchten. Oft sind es allerdings auch Leute, die auf der Suche nach einer Ferienwohnung oder einem Zweitwohnsitz im Grünen sind. In den meisten Fällen verfügen sie durchaus auch über die entsprechende Liquidität. Inzwischen sagen wir bei solchen Anliegen aber trotzdem grundsätzlich Nein. Aufgrund unserer Sondersituation haben wir schon jetzt 18 Prozent Zweitwohnsitze – weitaus mehr, als eigentlich gesetzlich vorgesehen sind.Infrastruktur ausbauen
Unabhängig davon muss man als Gemeinde natürlich immer attraktiv bleiben. Und deshalb auch investieren. Wir haben schon vor fünf Jahren das Glasfasernetz in der ganzen Region stark ausgebaut. Damit haben bei uns auch Privathaushalte eine Internetverbindung, wie es sie sonst nur in den großen Städten gibt. Zum Teil bieten wir in der Gemeinde sogar freies WLAN an. Abgesehen von den Förderungen war auch das nur möglich, weil wir eine so starke Hotellerie und Gastronomie in unserer Gemeinde haben.-R. GEBERS


