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Energie

Oberösterreich

23.06.2023

Wie die Energiegemeinschaft Gampern selbst Energie erzeugt und verbraucht

Gampern, eine lebenswerte 3.100-Einwohner-Gemeinde im Bezirk Vöcklabruck, hat vieles zu bieten, so seit Kurzem auch eine Energie­gemeinschaft. Bürgermeister Jürgen Lachinger und Amtsleiter Christoph Stockinger geben Einblick in dieses Vorzeigeprojekt.

Herr Bürgermeister, in Ihrer Gemeinde wurde kürzlich eine Energiegemeinschaft gegründet. Was waren die Beweggründe dafür? 

Jürgen Lachinger: Der Hauptgrund für den Zusammenschluss zu einer Energiegemeinschaft war, den Strom, den wir produzieren, auch vor Ort selbst zu verbrauchen und dabei Synergien zu nutzen. So haben wir uns als Gemeinde mit der Turn- und Sportunion Gampern sowie vier umliegenden Feuerwehren zur Energiegemeinschaft Gampern zusammengeschlossen, um gemeinsam die in der Gemeinde erzeugte Solarenergie bestmöglich zu verbrauchen und dadurch Kosten einzusparen.

Für die Mitglieder ist es dabei ein großer Vorteil, dass man den Strompreis innerhalb der Gemeinschaft selbst festlegen kann. Als Gemeinde können wir unsere Vereine dahingehend unterstützen, dass wir den Strompreis moderat halten.

Wie funktioniert die Energiegemeinschaft Gampern genau?

Lachinger: Wir als Gemeinde Gampern verfügen über 18 Photovoltaik-Anlagen und neun Speicher. Bis dato wurde der Strom lediglich in dem jeweiligen Gebäude mit Erzeugeranlage verbraucht und der nicht benötigte Strom ins Netz eingespeist.

Mit Gründung der Energiegemeinschaft ist es uns nun möglich, den Überschussstrom für andere Gebäude unserer Mitglieder zu verwenden. Das ist ein Riesenvorteil. So können wir den Strom, der übrig bleibt, an die Schule, das Feuerwehrdepot, die Sportanlage etc. super verteilen – je nachdem, wo er benötigt wird.

Durch weitere aktive Maßnahmen (Abbau von Nachtspeicheröfen, Umstellung auf LED in allen Gemeindegebäuden, Nutzung der Stromspeicher für Straßenbeleuchtung, Steuerungen etc.) konnten wir insgesamt 80 Prozent des Stroms oder 130.000 Euro an Geld pro Jahr einsparen. Mit den hohen Stromtarifen wären das sogar fast 300.000 Euro.

Derzeit ist die Gemeinde Produzent und die vier Feuerwehren sowie der Sportverein sind unsere Abnehmer. So soll es aber nicht bleiben. Wir haben jetzt mal klein angefangen, um zu sehen, wie das Ganze läuft und ob es funktioniert, und möchten in Zukunft wachsen.

Herr Amtsleiter, warum fiel die Entscheidung bei der Gründung der Energiegemeinschaft auf die Rechtsform der Genossenschaft?

Christoph Stockinger: Wir haben uns für die Rechtsform der Genossenschaft entschieden, weil sie relativ einfach und schnell zu gründen und auch jederzeit erweiterbar ist. Wenn wir in naher Zukunft also neue Mitglieder aufnehmen wollen, dann reicht ein einfacher Vorstandsbeschluss.

Zusätzlich ist im Gegensatz zum Verein, den wir ursprünglich angedacht haben, in der Genossenschaft eine über den ideellen Zweck hinausgehende wirtschaftliche Tätigkeit möglich. Und ein ganz ausschlaggebender Grund ist, dass unsere Energiegenossenschaft vom Raiffeisenverband Oberösterreich begleitet und geprüft wird, was uns Sicherheit gibt und Transparenz gewährleistet.

Was sind die weiteren Pläne für die Zukunft?

Lachinger: Wir wollen jedenfalls erweitern. Konkret geplant ist, die drei Feuerwehrdepots und die Tribüne des Sportvereins mit PV-Anlagen zu bestücken – diese Projekte sind bereits budgetiert und sollen nächstes Jahr umgesetzt werden. Dann werden wir schauen, wie viel wir produzieren und ob wir noch Abnehmer brauchen – auch das muss man nämlich immer im Auge behalten, dass man genug Abnehmer hat.

Grundsätzlich wäre angedacht, dass auch Firmen mitmachen können. In Gampern gibt es viele Firmen, die große Anlagen haben, die vor allem übers Wochenende viel überschüssigen Strom produzieren.

Auch Wassergenossenschaften möchten wir in Zukunft einbinden sowie andere lokale Energiegemeinschaften, falls hier Interesse besteht. Und eventuell können sogar neue Anlagen über die Genossenschaft finanziert werden. Wir haben hier noch viele Ideen, die im Raum stehen und hoffentlich umgesetzt werden wie beispiels­weise PV-Carports.

Würden Sie die Gründung einer Energie­gemeinschaft auch anderen Gemeinden empfehlen?

Stockinger: Unbedingt. Ich kann es nur jedem empfehlen. Wenn eine Gemeinde über Photovoltaikanlagen verfügt, dann nicht lange überlegen, sondern einfach tun! Die Energiegemeinschaft bringt so viele Vorteile mit sich und das Einsparungspotenzial für die Beteiligten ist nicht außer Acht zu lassen.  

Was uns auch riesig geholfen hat, war das Engagement der Kolleginnen und Kollegen im Gemeindeamt, da waren alle so richtig mit Herz dabei. Und in der Bauabteilung verfügen wir über Tüftler, die uns technisch die besten Voraussetzungen gegeben haben.

Aufgrund der zahlreichen Anfragen merken wir auch, dass das Interesse seitens anderer Gemeinden sehr groß ist. In der Regel geht
es dabei meist um die Entscheidung, ob ein Verein oder eine Genossenschaft gegründet werden soll.

Aus meiner Sicht und meiner Erfahrung heraus ist hier ganz klar die Genossenschaft als Rechtsform am besten geeignet. Die Umsetzung unseres Projekts mit der Raiffeisen OÖ war unkompliziert – und wir würden es jederzeit wieder so machen. Aber für die Gründung von Energiegemeinschaften sind vor allem auch die Klima- und Energiemodellregionen gute Ansprechpartner und helfen den Gemeinden.

Technische Daten der Energiegemeinschaft Gampern:

Inbetriebnahme: Mitte November 2022
Erzeuger: 18 PV-Anlagen der Gemeinde und neun Speicher
Verbraucher: 37 Zählpunkte von Gemeinde, Sportunion und Feuerwehren
Plan 2023: Errichtung zusätzlicher PV-Anlagen

Dieser Text stammt von Marion Pammer vom Raiffeisenverband Oberösterreich und wurde im Frühjahr 2023 in der Verbandszeitung publiziert. Mit freundlicher Genehmigung übernommen.

– M. PAMMER (Quelle: Raiffeisenverband Oberösterreich)

 

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