Noch selten, aber immer wieder, ist von sogenannten „Tiny forests“ zu lesen, einer waldähnlichen Begrünungsvariante für urbane Lagen. Die Idee dieser Miniwäldchen vor der Haustüre könnte zukünftig öfter angewendet werden.
Die Miniwälder beziehen sich häufig auf eine Methode, die der Vegetationskundler Akira Miyawaki in den 1970ern entwickelte. Dabei wird eine kleine Fläche sehr dicht mit vielen verschiedenen Gehölzarten bepflanzt, so dass nach wenigen Jahren ein waldähnlicher Lebensraum entsteht.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Gehölzpflanzungen werden in einem „Tiny forest“ die Pflanzen sehr dicht gesetzt. Dadurch entsteht eine Lichtkonkurrenz unter den Gehölzen, die dann besonders schnell in die Höhe streben.
Eine weitere Besonderheit der „Miyawaki“ Methode ist, dass eine hohe Vielfalt von Bäumen und Sträuchern gepflanzt wird. Dadurch entsteht ein potenziell hochwertiger Lebensraum für viele Kleintiere. Besonders hoch ist der ökologische Wert, wenn viele heimische Arten gewählt werden.
Ein Miniwald hat eine maximale Größe von ungefähr 500 Quadratmetern. Damit sich die Wäldchen rasch und ungestört entwickeln können, werden sie in den ersten Jahren umzäunt.

Beispiel für einen jungen „Tiny forest“ aus Nijmegen (Niederlande). Copyright/Quelle: Cultureel Gelderland, Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication, via commons.wikimedia.org
Ein „Tiny forest“ kann dabei helfen, das Mikroklima in urbanen Lagen zu verbessern. Durch die große Blattmasse eines etablierten Miniwäldchens ist der Beschattungs- und Kühlungseffekt potenziell hoch. Außerdem werden Wind und Lärm gedämpft.
Der erste Schritt zu einem Kleinwäldchen ist eine sorgfältige Standortauswahl. Da hier höher wachsende Arten gepflanzt werden, muss die Umgebung passen. In urbanen Lagen ist außerdem ein Check nötig, ob genüg Wurzelraum vorhanden ist, und nicht unter der Oberfläche liegende Leitungen und Einbauten diesen einschränken.

Ein junger „Tiny Forest“ in Hannover Vahrenwald
Copyright/Quelle: Axel Hindemith, Creative Commons CC-by-sa-3.0 de, via commons.wikimedia.org
Einmal gepflanzt, ist ein Miniwäldchen genügsam und erhält sich selbst. Idealerweise wird im Herbst gepflanzt, und es werden angepasste Arten ausgewählt, dann ist auch kein Gießen der Jungpflanzen nötig, oder nur in sehr trockenen Perioden während des Anwachsens. Beikräuter, die in den ersten Jahren auftreten und eine zu große Konkurrenz für die Gehölze sein könnten, werden niedergetreten, aber nicht entfernt.

Ein Beispiel aus der Gemeinde Wolkersdorf in Niederösterreich. Dort pflanzt der Verein „Citizens Forests Wolkersdorf“ Miniwäldchen.
Copyright/Quelle: Verein „Citizens Forests Wolkersdorf“
„Tiny forests“ sind in Österreich eine neue Begrünungsvariante. Dementsprechend gibt es wenige Erfahrungswerte bezüglich der Artenauswahl und dem Aussehen der fertig entwickelten Wäldchen. Hier gibt es noch einiges auszutesten. Die Miniwäldchen sind somit eine spannende Methode für experimentierfreudige Gemeinden.
Mehr Information erhalten Sie beim “Natur im Garten” Grünraumservice unter der Telefonnummer 02742-74333 oder per E-Mail unter gartentelefon@naturimgarten.at.
