Künstliche Intelligenz

20.01.2026

KI-KOLUMNE: Perplexity – Antworten statt Links

Stellen Sie sich vor: Ein Bürger fragt am Telefon nach der aktuellen Förderung für Photovoltaik-Anlagen. Sie wissen, dass sich im letzten Monat etwas geändert hat. Also öffnen Sie Google, tippen los und landen auf einer Seite von 2023. Sie klicken weiter und finden ein weiteres PDF, das ebenfalls nicht mehr aktuell ist. Nach 15 Minuten haben Sie sieben Tabs offen und sind sich immer noch nicht sicher, ob die Information stimmt.

Was wäre, wenn Sie stattdessen einfach fragen könnten: „Welche Förderungen gibt es aktuell für private PV-Anlagen in Oberösterreich?“ – und eine Antwort bekämen, die nicht nur verständlich formuliert ist, sondern auch gleich die Quellen mitliefert? Genau das kann Perplexity.

Was ist Perplexity?

Perplexity nennt sich selbst eine „Antwortmaschine“. Im Gegensatz zu klassischen Suchmaschinen zeigt es aber nicht einfach eine Liste von Links. Es ist auch kein reiner Chatbot wie ChatGPT, der nur aus seinem gespeicherten Wissen antwortet. Stattdessen kombiniert Perplexity beides: Es sucht bei jeder Frage aktuell im Internet, fasst die gefundenen Informationen verständlich zusammen und zeigt transparent die Quellen an. Das ist ein großer Unterschied zu ChatGPT oder Claude. Dort ist oft unklar, woher eine Information stammt und das Wissen ist nicht tagesaktuell.

ChatGPT vs. Perplexity vs. NotebookLM

  • ChatGPT
  • ChatGPT ist ein Allzweck-Assistent. Es kann Texte schreiben, programmieren, Ideen entwickeln, kreativ sein. Es antwortet aus Trainingswissen mit einem festen Wissens-stand, der mehrere Monate zurückliegt. Nicht automatisch tagesaktuell.
  • NotebookLM
  • NotebookLM arbeitet ausschließlich mit Dokumenten, die Sie selbst hochladen. Die KI antwortet nur auf Basis dieser Quellen. Nichts wird erfunden, nichts wird aus dem Internet hinzugefügt. Ideal für die Arbeit mit internen Unterlagen, Satzungen oder Protokollen.
  • Perplexity
  • Perplexity durchsucht bei jeder Anfrage das Internet und liefert tagesaktuelle Informationen mit Quellenangaben. Im Unterschied zu ChatGPT liefert Perplexity keine Antworten nur aus Trainingswissen, sondern greift auf tagesaktuelle Inhalte zu.
Info Info

Die Faustregel

  • Brauchen Sie aktuelle Informationen aus dem Internet mit Quellenangaben? -> Perplexity
  • Wollen Sie Ihre eigenen Dokumente durcharbeiten lassen? -> NotebookLM
  • Brauchen Sie einen Assistenten zum Schreiben, Brainstormen oder Programmieren? -> ChatGPT

Was kann Perplexity konkret für Gemeinden?

1. Aktuelle Recherche mit Quellenangaben

Stellen Sie sich vor, Sie brauchen Informationen zu einer neuen EU-Richtlinie, einer Förderung des Landes oder einer Gesetzesänderung. Bei einer normalen Google-Suche klicken Sie sich durch mehrere Seiten, prüfen Daten, vergleichen Quellen. Bei Perplexity fragen Sie einfach: „Was sind die aktuellen Fördermöglichkeiten für kommunale Radwege in Österreich 2026?“ Die Antwort kommt als verständlicher Text – mit nummerierten Quellenangaben, die Sie anklicken können. Sie sehen sofort, ob die Information von einer Ministeriumsseite, einem Nachrichtenartikel oder einem Förderleitfaden stammt. Beispiel:

Perplexity: eine Beispiel-Frage

2. Schnelle Faktenüberprüfung

Jemand behauptet etwas in einer Sitzung. Ein Bürger zitiert eine Zahl. Ein Kollege ist sich bei einer Frist nicht sicher. Perplexity eignet sich hervorragend für schnelle Faktenchecks: „Wann endet die Einreichfrist für die Gemeindemilliarde?“ – und Sie bekommen eine Antwort mit Verweis auf die offizielle Quelle.

3. Deep Research für komplexe Fragen

Perplexity bietet einen „Deep Research“-Modus, der besonders bei komplexeren Fragestellungen hilft. Dabei durchsucht die KI mehrere Quellen intensiver und erstellt einen strukturierten Bericht. Das ist nützlich, wenn Sie sich in ein neues Thema einarbeiten müssen – etwa vor einer Gemeinderatssitzung zu einem Fachthema, das Sie nicht täglich bearbeiten.

4. Automatisierte Tasks: Recherche auf Autopilot

Sie können wiederkehrende Recherchen automatisieren. Einmal einrichten, regelmäßig Ergebnisse erhalten – per E-Mail oder Push-Nachricht.

Wie funktioniert das? Sie führen eine normale Suche durch und wandeln sie dann in eine „Task“ um. Sie legen fest: täglich, wöchentlich, monatlich? Welche Uhrzeit? Welche Benachrichtigung? Fertig. Die Recherche läuft automatisch, auch wenn Sie nicht eingeloggt sind.

Konkrete Beispiele für Gemeinden:

  • Wöchentliche Förder-Updates: „Neue Förderprogramme für Gemeinden in Österreich diese Woche“ – jeden Montag um 8:00 Uhr in Ihrem Postfach
  • Tägliche Gesetzesänderungen: „Änderungen im österreichischen Gemeinderecht in den letzten 24 Stunden“ – für juristische Mitarbeiter
  • Monatliche Branchenübersicht: „Entwicklungen bei kommunalen Digitalisierungsprojekten im DACH-Raum“ – für Strategieplanung

Gut zu wissen: ChatGPT bietet seit 2025 ein ähnliches Feature. Der Unterschied: Perplexity Tasks durchsucht bei jeder Ausführung das aktuelle Web und liefert Quellen mit. ChatGPT Tasks basiert primär auf dem Trainingswissen – für aktuelle Recherchen ist Perplexity hier im Vorteil.

Einschränkung: Tasks sind nur für zahlende Nutzer verfügbar. Pro-Nutzer können bis zu 10 Tasks einrichten, Enterprise-Nutzer mehr.

5. Spaces: Geteilte Wissensbereiche für Teams

Hier wird es für Gemeinden mit mehreren Mitarbeitern interessant: Perplexity Spaces sind geteilte Arbeitsbereiche, in denen Teams gemeinsam recherchieren können:

  • Gemeinsame Wissensbasis: Ein Space für „Förderprogramme“, ein anderer für „Baurecht“ – alle relevanten Recherchen an einem Ort
  • Dateien hochladen: PDFs, Word-Dokumente, Tabellen – Perplexity durchsucht dann beides: das Web UND Ihre hochgeladenen Unterlagen
  • Team-Zugriff: Kollegen einladen, die mitlesen oder mitarbeiten dürfen
  • Custom Instructions: Anweisungen hinterlegen, wie die KI in diesem Space antworten soll (z.B. „Antworte immer mit Bezug auf österreichisches Recht“)

Das erinnert an NotebookLM – aber mit einem wichtigen Unterschied: Perplexity Spaces kombiniert Ihre eigenen Dokumente mit aktueller Web-Recherche. NotebookLM bleibt in der geschlossenen Welt Ihrer Uploads.

Verfügbarkeit: Spaces gibt es auch in der Gratis-Version, aber mit Einschränkungen. Pro-Nutzer können bis zu 50 Dateien pro Space hochladen, Enterprise-Nutzer 500. Die Integration mit Google Drive oder SharePoint ist Enterprise-Nutzern vorbehalten.

Was Perplexity nicht kann

  • Keine kreativen Texte:

    Wenn Sie einen Newsletter-Entwurf, eine Pressemitteilung oder einen Brief brauchen, ist ChatGPT die bessere Wahl. Perplexity ist für Recherche optimiert, nicht für Textproduktion.

  • Dokumente nur in Kombination mit Web:

    Ja, in Spaces können Sie Dokumente hochladen. Aber Perplexity durchsucht diese immer zusammen mit dem Web. Wenn Sie ausschließlich Ihre eigenen Unterlagen analysieren wollen – ohne Web-Einfluss und ohne Halluzinationsrisiko – ist NotebookLM die sicherere Wahl.

  • Halluzinationen sind möglich:

    Obwohl Perplexity Quellen angibt, kann es vorkommen, dass die Zusammenfassung nicht ganz korrekt ist. Die Quellenangaben helfen beim Prüfen – aber blind vertrauen sollten Sie auch hier nicht.

Info Info

Datenschutz: Was gilt für Gemeinden?

Gratis-Version: Ihre Eingaben werden für das Training der KI verwendet. Für Gemeinden bedeutet das: Keine personenbezogenen oder vertraulichen Daten eingeben. Die gleiche Regel wie bei ChatGPT Free.

Perplexity Pro (ca. 20 €/Monat): Mehr Funktionen, schnellere Antworten, Zugang zu verschiedenen KI-Modellen. ABER: Anders als man erwarten würde, gibt es hier keinen Auftragsverarbeitungsvertrag (AV-Vertrag). Perplexity Pro ist – wie ChatGPT Plus – für Privatnutzer gedacht, nicht für Gemeinden oder Unternehmen.

Perplexity Enterprise Pro (ca. 40 €/Nutzer/Monat): Hier gibt es einen AV-Vertrag, SOC 2 Type II-Zertifizierung und die Garantie, dass Daten nicht für Training verwendet werden. Das ist die Version, die für Gemeinden in Frage kommt, wenn Sie Perplexity regelmäßig nutzen wollen.

Ein wichtiger Unterschied: Perplexity ist ein US-Unternehmen mit Sitz in San Francisco. Es gibt zwar einen EU-Vertreter (in Irland), aber die Daten werden auf US-Servern verarbeitet. Die DSGVO-Konformität wird vom Anbieter behauptet, ist aber nicht unabhängig geprüft. Für sensible Gemeindedaten sollten Sie daher vorsichtig sein.

Praktisch bedeutet das: Nutzen Sie die Gratis-Version für allgemeine Recherchen ohne Personenbezug – Förderinformationen, Gesetzestexte, Hintergrundinformationen. Das ist unbedenklich und hilfreich. Sobald es um sensiblere Themen geht oder Sie Perplexity regelmäßig im Team einsetzen wollen, brauchen Sie die Enterprise-Version mit AV-Vertrag.

Was kostet Perplexity?

  • FREE
  • Kostenlos, begrenzte „Pro“-Suchen pro Tag, Daten werden für Training verwendet
  • PRO
  • ca. 20 €/Monat: Mehr Suchen, Deep Research, verschiedene KI-Modelle – aber kein AV-Vertrag
  • ENTERPRISE PRO
  • ca. 40 €/Nutzer/Monat: AV-Vertrag, Team-Verwaltung, keine Nutzung für Training

Tipp für gemeinsame Beschaffung mit Nachbargemeinden: Die Enterprise-Version ist per Nutzer lizenziert. Je mehr Gemeinden sich zusammentun, desto eher rechnet es sich.

Kleine Hausaufgabe für diese Woche

Perplexity ist unter perplexity.ai kostenlos testbar. Sie brauchen nicht einmal ein Konto für erste Versuche.

Mein Vorschlag für den Einstieg: Stellen Sie Perplexity eine Frage, die Sie sonst googeln würden. Zum Beispiel: „Welche Fristen gelten für die Rechnungsabschluss-Vorlage in österreichischen Gemeinden?“ Vergleichen Sie das Ergebnis mit einer normalen Google-Suche. Sie werden den Unterschied sofort merken.

Achten Sie dabei auf drei Dinge:

1. Wie verständlich ist die Antwort?
2. Wie hilfreich sind die Quellenangaben?
3. Stimmt die Information, wenn Sie die Quelle prüfen?

Das gibt Ihnen ein Gefühl dafür, wo Perplexity Ihren Arbeitsalltag erleichtern kann und wo Sie weiterhin andere Tools brauchen.

KI KOMPAKT

Perplexity: Das Wichtigste auf einen Blick

Was ist Perplexity? Eine „Antwortmaschine“, die bei jeder Anfrage das Internet durchsucht und die Ergebnisse verständlich zusammenfasst – mit Quellenangaben zum Nachprüfen. Ideal für aktuelle Recherche und Faktenchecks.

Faustregel: Aktuelle Webinfos → Perplexity. Eigene Dokumente → NotebookLM. Texte schreiben → ChatGPT.

Besonderes Feature – Automatisierte Tasks: Wiederkehrende Recherchen automatisieren: täglich, wöchentlich, monatlich. Ergebnisse per E-Mail – immer mit aktuellen Web-Quellen. Ideal für Förder-Monitoring, Gesetzesänderungen, Branchenüberblicke. Nur für Pro/Enterprise-Nutzer (bis zu 10 bzw. 30 Tasks). ChatGPT hat ein ähnliches Feature, aber ohne garantierte Web-Recherche bei jeder Ausführung.

Besonderes Feature – Spaces: Geteilte Arbeitsbereiche für Teams. Dateien hochladen + Web-Recherche kombinieren. Ideal für gemeinsame Wissensbasis (z.B. Space „Förderprogramme“ oder „Baurecht“). Pro: 50 Dateien/Space, Enterprise: 500 + Integration mit Google Drive/SharePoint.

Künstliche Intelligenz

20.01.2026

KI-KOLUMNE: Perplexity – Antworten statt Links

– I.WEIPPL (Quelle: XY, entgeltliche Einschaltung)

DOWNLOADS
LINKS
© Copyright - Kommunalnet