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30.03.2026

Juristin wird Amtsleiterin in zwei Gemeinden

Eine Frau, die gleich zwei Gemeinden stemmt? Das gibt es! Und zwar in der Verwaltungsgemeinschaft Hellmonsödt–Zwettl in Oberösterreich. Die hat nämlich seit Anfang März eine neue Amtsleiterin: Mit Lisa Sattler-Birngruber übernimmt erstmals eine Juristin die administrative Leitung für beide Gemeinden.

Damit endet eine Übergangsphase, in der der Hellmonsödter Bürgermeister Jürgen Wiederstein zusätzlich zur politischen Funktion auch die Amtsleitung der Verwaltungsgemeinschaft innehatte.

Juristische Expertise als Vorteil

Sattler-Birngruber bringt Erfahrung aus der Privatwirtschaft mit. Zuvor war sie in einer Steuerberatungskanzlei tätig und hatte dort bereits regelmäßig mit Gemeinden zu tun. „Viele Themenbereiche sind mir daher nicht völlig neu, auch wenn ich sie jetzt natürlich aus einer anderen Perspektive kennenlerne“, sagt sie.

Die juristische Ausbildung war in der Stellenausschreibung zwar erwünscht, aber keine zwingende Voraussetzung. Dennoch bringt sie klare Vorteile mit sich. „Es ist hilfreich, wenn man sich mit Recht auskennt und Entscheidungen von Beginn an sicher treffen kann“, erklärt die neue Amtsleiterin.

Einschulungsphase bis September

Seit Anfang März ist Sattler-Birngruber im Amt. Derzeit befindet sich noch in der Einschulungsphase. Bis September arbeitet sie eng mit Bürgermeister Wiederstein zusammen, der sie in die Abläufe einführt. Danach wird sie die Amtsleitung eigenständig übernehmen.

Ihr erstes Fazit fällt durchwegs positiv aus: „Die Arbeit ist umfangreich, interessant und für mich in vielen Bereichen Neuland.“

„In einer Gemeinde kann man gestalten“

Der Wechsel in die Gemeindeverwaltung war für sie ein bewusster Schritt. „Ich wollte breiter aufgestellt sein, Weisungsbefugnisse haben, mehr mitgestalten und mit mehr Themenbereichen arbeiten“, sagt Sattler-Birngruber. Genau das biete die Arbeit in einer Gemeinde – und bei zwei Gemeinden umso mehr.

In ihrer Funktion der Amtsleiterin ist sie nicht nur für die allgemeine Verwaltung verantwortlich. Auch die Organisation und Leitung des gesamten Dienstbetriebs in den Bauhöfen, gemeindeeigenen Einrichtungen und Verbänden ist künftig ihre Aufgabe. Insgesamt umfasst dieser Bereich 22 Bedienstete im Innendienst, acht im Außendienst sowie weitere 14 Mitarbeiter in den Einrichtungen der Gemeinden.

Vorteile einer Verwaltungsgemeinschaft

Die Zusammenarbeit mehrerer Gemeinden in einer Verwaltungsgemeinschaft bringt laut Sattler-Birngruber zahlreiche Vorteile mit sich. Vor allem die fachliche Spezialisierung sei ein großer Pluspunkt.

„Abteilungen können deutlich spezialisierter arbeiten, Wissen lässt sich besser bündeln und Entscheidungen können schneller getroffen werden“, erklärt sie. Davon profitieren auch die Bürgerinnen und Bürger: „Die Menschen bekommen schneller und präziser Auskunft, weil klar ist, wer für welches Thema zuständig ist.“

Modell für andere Gemeinden?

Ob Verwaltungsgemeinschaften auch für andere Gemeinden ein Zukunftsmodell sind, lässt sich ihrer Ansicht nach nicht pauschal beantworten. „Das hängt sicherlich auch immer von der Größe der jeweiligen Gemeinde und der geographischen Lage ab. Besonders bei kleinen Gemeinden würde ich beispielsweise im Finanzbereich Vorteile sehen, da es meines Wissens zunehmend schwieriger wird, qualifizierte Mitarbeiter für diesen Bereich zu gewinnen“, so die neue Amtsleiterin.

„Wenn sich Gemeinden zusammenschließen, können sie auch leichter gut augebildete Fachkräfte anwerben“, sagt Sattler-Birngruber. Ein weiterer Vorteil: „Man ist kein Einzelkämpfer mehr.“ Das spüren vor allem kleinere Gemeinden: Gemeinsam zählen Hellmonsödt und Zwettl an der Rodl rund 4.700 Einwohnerinnen und Einwohner.

Zusammenarbeit mit zwei Bürgermeistern

Als Amtsleiterin arbeitet Sattler-Birngruber künftig mit zwei Bürgermeistern zusammen. Wichtig sei dabei vor allem eine gute Abstimmung. „Das Entscheidende ist, dass die Gemeinden untereinander gut koordiniert sind“, so Sattler-Birngruber.

Info Info

Was ist eine Verwaltungsgemeinschaft?

Die Mühlviertler Gemeinden Hellmonsödt und Zwettl an der Rodl haben sich im Herbst 2020 zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen. Der Hintergrund: Bündelung von Verwaltungsaufgaben zur Steigerung der Effizienz und gemeinsamen Nutzung von Ressourcen der beiden kleinen Gemeinden. Diese Arbeitsweise ermöglicht auch bessere Urlaubs- und Krankenstandsvertretung und trägt dadurch zur Zufriedenheit bei den Gemeindebediensteten bei.

Die Personalkosten der Verwaltung teilen sich Hellmonsödt und Zwettl. Jede Gemeinde trägt einen festgelegten Anteil. Andere Bereiche bleiben hingegen getrennt organisiert – etwa die Bauhöfe und die zentrale Anlaufstelle des Bürgerservice an beiden Orten.

-E. SCHUBERT

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