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22.07.2025

AKV-Analyse: Österreich steuert auf das 3. Rekordpleitenjahr in Folge zu

Nach 2 Jahren Rezession prognostizieren Wirtschaftsforscher für das Jahr 2025 eine stagnierende Wirtschaftsleistung und erst für das Jahr 2026 ist mit einer langsamen Rückkehr auf einen Wachstumspfad mit einem BIP-Wachstum von 1,2 % zu rechnen.

Eine solche Entwicklung würde sich am Insolvenzsektor erfahrungsgemäß erst mit einer zeitlichen Verzögerung von 6 bis 9 Monaten positiv mit abflauenden Insolvenzzahlen niederschlagen.

Im Bereich der Firmeninsolvenzen ist nach Vorliegen der Ist-Zahlen für das 1. Halbjahr 2025 noch eine gegenteilige Entwicklung feststellbar.

Mehr Pleiten als zur Finanzkrise – Insolvenzen auf Rekordniveau

Im Jahr 2024 lagen die eröffneten Firmeninsolvenzen bereits über dem Niveau der Finanzkrise 2007/2008. Diese Entwicklung setzte sich im 1. Halbjahr 2025 fort: Die Zahl der eröffneten Verfahren stieg erneut um 3,53 % auf insgesamt 2.173 – ein neuer Höchstwert. Damit wurde nicht nur der Vorjahreswert überschritten, sondern auch ein historischer Rekord erzielt, der die Insolvenzlage der Finanzkrisenjahre deutlich übertrifft.

FIRMENINSOLVENZEN 

Im Monatsdurchschnitt wurden im 1. Halbjahr dieses Jahres 362 Firmeninsolvenzen eröffnet, während es im Jahr 2024 noch durchschnittlich 346 Verfahren und im Jahr 2023 noch durchschnittlich 281 Verfahren waren.

Wöchentlich wurden heuer über das Vermögen von 84 Unternehmen in Österreich Insolvenzverfahren eröffnet.

Die Verfahrensabweisungsbeschlüsse haben gegenüber dem 1. Quartal 2025 abgenommen, dennoch liegt eine Steigerung von 27,17 % gegenüber dem Vorjahr vor. Bei diesen 1.540 Insolvenzanträgen lagen bei den schuldnerischen Unternehmen nicht einmal Aktivwerte in Höhe von EUR 4.000.- vor, um formelle Insolvenzverfahren einleiten zu können.

Eröffnete Firmeninsolvenzen in den Bundesländern

Nachdem während der Corona-Epidemie eine Verschiebung der Antragstellungen zu Gläubigeranträgen erfolgte, nimmt nunmehr der Anteil an Eigenanträgen wieder zu. Dennoch werden Firmeninsolvenzen weiterhin mehrheitlich (53,52 %) über Anträge von Gläubigern eröffnet.

Trotz der etwas positiveren Wirtschaftsprognosen rechnet der AKV weiterhin mit einer gleichbleibenden Entwicklung bis zum Jahresende 2025. Der AKV befürchtet daher weiterhin ein drittes Rekordpleitenjahr in Folge mit circa 4.500 eröffneten Firmeninsolvenzen. Einschließlich der Insolvenzabweisungsbeschlüsse sind bis zum Jahresende 2025 fast 7.500 Gesamtinsolvenzen zu erwarten.

PRIVATINSOLVENZEN

Am Privatkonkurssektor haben sich die Insolvenzen im 1. Halbjahr 2025 wie folgt entwickelt:

Trotz hoher Inflationsrate und gestiegener Arbeitslosenzahlen haben die Schuldenregulierungsverfahren gegenüber dem Vorjahr um 2,09 % abgenommen. Zudem liegt man weit unter den Zahlen der Jahre 2018/2019, in denen die meisten Privatinsolvenzen verzeichnet wurden. Der Grund dürfte darin liegen, dass bereits die Beratung in Richtung Existenzsicherung erhebliche Kapazitäten bei den Schuldenberatungsstellen bindet und diese offenbar im Bereich der Schuldenregulierung fehlen.

Eklatant  ist  die  unterschiedliche  Durchschnittsverschuldung  bei  Männern (EUR 150.300,-) gegenüber jener bei Frauen (EUR 94.000,-).

 Beendigungsarten Schuldenregulierungsverfahren 1. Halbjahr 2025

 Aufhebungen Privatinsolvenzen und Erfolgsaussichten

Es wurden im 1. Halbjahr 2025 in mehr als zwei Drittel (68,96 %) der Privatkonkurse mit den Gläubigern Zahlungspläne abgeschlossen. Dabei ergaben sich folgende Quotenhöhen:

Quotenhöhe

Die Quotenhöhe ist zum Teil auch auf den Umstand zurückzuführen, dass die Bereitschaft der Gläubiger Forderungen in Schuldenregulierungsverfahren anzumelden sukzessive abnimmt. So meldet nur mehr jeder vierte Gläubiger Forderungen in Privatkonkursen an. Dadurch kann der Zahlungsplan im Regelfall im Zuge einer Anpassung der Quote auf die geringeren, angemeldeten Verbindlichkeiten verbessert werden.

Zur Schuldensituation in Österreich ist generell auszuführen, dass die eröffneten Privatinsolvenzen nur einen kleinen Teil der Verschuldungen abbilden. Ein Verfahren wird zumeist erst nach Jahren nach dem eigentlichen Eintritt der Zahlungsunfähigkeit angestrebt und die Anzahl der Antragstellungen hängt von den Kapazitäten der Beratungsstellen und der Gerichte ab.

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der steigenden Arbeitslosenzahlen sind kaum Veränderungen am Privatkonkurssektor zu beobachten. Aus diesem Grund geht der AKV davon aus, dass im Gesamtjahr 2025 mit etwa 9.000 eröffneten Privatinsolvenzen gerechnet werden kann, welche jedoch weit unter den Zahlen von 2018 (10.058) und 2019 (9.497) liegen würden.

Detailliert für Ihr Bundesland finden Sie die Statistik für Firmen- und Privat-insolvenzen auf der Website des AKV unter https://www.akv.at/akv-newsroom/statistiken/akv-insolvenzstatistik-1-halbjahr-2025

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