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28.04.2026

Vom Burnout zurück ins Amt – ein Bürgermeister erzählt von seinen Erfahrungen

Patrick Strobl ist eigentlich kein Typ, der sich schnell unterkriegen lässt. Mit 31 Jahren hat er  2018 das Bürgermeisteramt der  5.800 Einwohner starken Stadt Melk übernommen, 7 Tage die Woche, 12 Termine pro Tag, 80 Stunden die Woche ist er für seine Bevölkerung seither im Einsatz. Zahlreiche Herausforderungen hat der 38-Jährige in seiner jungen Karriere schon gemeistert: 2024 das Jahrhundert-Hochwasser, 2020 wurde das Krankenhaus in Melk zum ersten Corona-Behandlungsspital ausgerufen – alles unter der Führung von Patrick Strobl. Nebenbei ist der Bürgermeister im Beruf Versicherungskaufmann, privat Familienvater von drei Kindern, spielt im Bürgermeister-Fußball-Nationalteam und spielt neuerdings auch gerne Padel-Tennis. Soweit so gut. Doch am 15. November 2025 musste Patrick Strobl eine selbst verordnete Pause von alledem einlegen. Der Grund: Burnout.

Strobl: „Hab nur mehr drei Stunden geschlafen“

„Ich habe mehrere Wochen nur mehr drei Stunden pro Nacht geschlafen, konnte mich nicht konzentrieren oder Inhalten folgen, der Blutdruck war auf 200. Der Arzt hat mir gesagt, wenn ich so weiter mache, bekomme ich als nächstes einen Herzinfarkt“, erzählt Strobl.  Nach ein paar Telefonaten mit Ärzten aus seinem Umfeld hat sich der Ortschef selbst eine Kur verordnet. „Ich wusste, zuhause und ohne professionelle Betreuung schaffe ich das nicht“, sagt der Ortschef. Im Dezember hat Patrick Strobl in der Landesklinik in Mauer eingecheckt – einem Kompetenzzentrum für psychische Gesundheit. „Ich habe dort Therapien gehabt, keine Emails gelesen, keine Telefonate und Nachrichten entgegen genommen. Ich war einfach nur dort und habe mich meiner Genesung gewidmet“, sagt Patrick Strobl. Nach sechs Wochen konnte er die Einrichtung verlassen und das erste Mal wieder durchschlafen. „Ich war dann noch zwei Wochen zuhause und habe versucht wieder in den Familienalltag einzusteigen“, sagt Strobl.

Alltag als Bürgermeister geändert

Nach zweieinhalb Monaten hat der Ortschef seinen „Dienst“ in der Gemeinde im Melker Rathaus wieder angetreten. Aber verändert. „Ich starte meinen Tag im Amt nicht mehr um 7.30h, sondern erst um 8.30h. Davor gehe ich jeden Tag mit unserem neuen Hund spazieren“, schildert Strobl seine erste Veränderung. Tagsüber mache er nur mehr sechs statt zwölf Termine. Alles andere wird delegiert und von anderen Stadtvertretern absolviert. „Zu Mittag fahre ich zwei Stunden nach Hause und esse mit meiner Familie und helfe da und dort bei den Hausaufgaben meiner Kinder“, so der Stadtchef. Seitdem geht es ihm wieder gut. Er kann gut schlafen, seine Arbeit gut meistern und die Zeit mit der Familie genießen. „Aber man muss sehr aufpassen und sich disziplinieren. Denn sobald es einem besser geht, glaubt man auch, man kann so weiter machen, wie vorher. Aber dort will ich nie mehr hin“, sagt Patrick Strobl.

Bürgermeister gibt Tipps an Kollegen

Diese Tipps gibt er nun auch seinen Amtskollegen. „Schon während meiner Kur aber auch jetzt rufen mich täglich Kolleginnen und Kollegen an und fragen mich, wie es mir geht oder Fragen nach Tipps, was sie tun können“, schildert der 38-Jährige. Das Thema Überlastung und Burnout sei stärker in der Kollegenschaft verbreitet, als man denkt. Die aktuell herausfordernden weltpolitischen, aber auch kommunalpolitischen Zeiten machen die Situation nicht besser. „Ich gehe mit meiner Diagnose sehr offen um und möchte bewusst sensibilisieren für dieses Thema. Ich werde auch nicht müde darüber zu sprechen oder Tipps zu geben. Wichtig ist, dass jeder weiß, dass man dagegen etwas tun kann. Man muss sich aber bewusst sein, dass man etwas verändern muss“, so Patrick Strobl.

– S.PEISCHL

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