Thomas Siepmann/pixelio.de

Bundesländer

Coronavirus

Gesundheit

04.05.2021

Ein Sommer wie früher? Impfungen machen Hoffnung

Bis zum Sommer sollen sich alle impfen lassen können, die das möchten: So lautete das erste Versprechen nach der Angelobung des neuen Gesundheitsministers Wolfgang Mückstein. Möglich machen könnte dies die zusätzliche Million Impfdosen von Biontech/Pfizer für Österreich. Damit, so Bundeskanzler Sebastian Kurz, kann Österreich endlich den „Impfturbo“ zünden.

Bereits 2 Millionen Dosen verimpft

Von Kanzler Kurz wurde außerdem auch eine Million Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V vermeldet. Allerdings dürfte der Impfstoff erst zum Einsatz kommen, wenn er von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zugelassen wird. Gesundheitsminister Mückstein deutete dies nach seiner Angelobung an. Auch das Kanzleramt betont, der Einsatz sei mit EMA-Zulassung geplant.

Bisher konnten in Österreich rund zwei Millionen Dosen verimpft werden. Laut Impf-Dashboard des Gesundheitsministeriums waren in der Kalenderwoche 16 österreichweit 23,4 Prozent der impfbaren Bevölkerung erstgeimpft – und erst 9,5 Prozent voll immunisiert. In den kommenden Wochen soll mehr Tempo reinkommen, daher erhält die Initiative auch Verstärkung von den Städten und Gemeinden.

Gemeinden leisten wichtigen Beitrag

Die Rolle der Gemeinden wird es weiterhin sein, die Infrastruktur rund um das Testen und das Impfen zur Verfügung zu stellen und Impfstraßen zu organisieren. „Ob bei der Kommunikation von Corona-Maßnahmen an die Bürgerinnen und Bürger, bei der Organisation von Teststraßen mit Tausenden Freiwilligen oder bei der Unterstützung der Länder bei der Impfung: Ohne unsere Gemeinden ist diese Krise nicht zu meistern“, betonte Walter Leiss, Generalsekretär des Österreichischen Gemeindebundes.

Phase 3 läuft an

Mit Ende April startete in einigen Teilen Österreichs bereits Phase 3 in der Umsetzung des nationalen Impfplans. Die letzte der drei geplanten Phasen ist gekennzeichnet durch die Durchimpfung der Gesamtbevölkerung, wobei die Priorisierung nach wie vor nach Alter (von 65 Jahren abwärts) und gesundheitlichem Risiko erfolgt.

Standen zu Beginn Heimbewohner, klinisches Personal, die über 85-Jährigen und dann die Zielgruppe der über 65-Jährigen auf dem Impfplan, so kann nun in einigen Bundesländern bereits die neue Impf-Phase mit der Vorbereitung der Impfung und Einladung der unter 65-Jährigen begonnen werden. Konkret betrifft das die Bundesländer Vorarlberg, Tirol und das Burgenland. In Vorarlberg wurden 69 Prozent der über 65-Jährigen geimpft, in Tirol sind es 65 Prozent und im Burgenland 63 Prozent. In den drei Bundesländern sei somit das Ziel von Phase 2 (zwei Drittel der Impfwilligen) erreicht und die Tür für Phase 3 steht offen.

Mobile Impfteams: Wo die Impfung nach Hause kommt

In Salzburg hat das Rote Kreuz gemeinsam mit der Ärztekammer ein mobiles Impfteam zusammengestellt. Damit können gehunfähige und bettlägerige Menschen auch zu Hause gegen Corona geimpft werden und müssen nicht mehr mit dem Krankenwagen zur Impfung gebracht werden. Die Rettungswägen bleiben damit also wieder für Notfälle frei. Das Angebot der mobilen Impfung startete am 12. April in der Stadt Salzburg.

Wissenswertes zu den Impfstoffen

Die Impfstoffe von Bion­tech und Moderna gehören zu den neueren mRNA-Impfstoffen. Die im Impfstoff enthaltene mRNA (Messenger-Ribonukleinsäure) baut der Körper in einigen Tagen ab, sie gelangt nicht in das menschliche Erbgut, die DNA. Das Immunsystem des Geimpften erkennt den Impfstoff als Fremdkörper, aktiviert Abwehrzellen und bildet Antikörper gegen das Spike-Protein des Coronavirus sowie Abwehrzellen. Folgt später eine Infektion mit dem Coronavirus, erkennt der Körper das Spike-Protein wieder und bekämpft es.

Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Infektion an Covid-19 zu erkranken, sinkt bei zweifach Geimpften um rund 95 Prozent. Die beiden mRNA-Impfstoffe genießen bisher auch die beste Publicity, während die Stoffe von AstraZeneca und neuerdings auch Johnson & Johnson immer wieder mit Blutgerinnseln in Verbindung gebracht werden.

Vektor-Impfstoffe wie der von ­AstraZeneca beruhen auf einem anderen Prinzip als mRNA-Impfstoffe. Das Verfahren hat sich bei Impfungen gegen verschiedene Krankheiten bewährt. Hier transportiert ein für den Menschen harmloses Virus, das sich nicht vermehren kann, das Spike-Protein des Coronavirus. Der Transportstoff, das Vektorvirus, wird im Körper in kurzer Zeit abgebaut. Das Spike-Protein löst den gleichen Prozess aus wie bei den mRNA-Impfstoffen und führt so zu einem Impfschutz.

Der vierte Corona-Impfstoff, der in ganz Europa verimpft werden sollte, ist jener von Johnson & Johnson (ebenfalls ein Vektor-Impfstoff). Das Präparat hat einen entscheidenden Vorteil: Es muss nur einmal verimpft werden.

Es hat jedoch auch den Nachteil, dass es weniger wirksam ist als andere Impfstoffe. Einige Fälle in den USA zeigen in jüngster Zeit außerdem: Es könnte mit denselben Problemen behaftet sein wie das Produkt von AstraZeneca. In den USA sind bisher sechs Patienten an Blutgerinnseln erkrankt. Nun müssen die Experten der EMA entscheiden, ob der Nutzen noch die Risiken überwiegt.

Britische Wissenschafter untersuchen momentan die Wirkung der Impfung, wenn man als erste Dosis AstraZeneca und als zweite Dosis einen mRNA-Impfstoff verabreicht. Solche Untersuchungen könnten für Österreich nach der Lieferung der zusätzlichen Million Bion­tech/Pfizer-Präparate relevant werden. Tierversuche versprechen derzeit sogar eine bessere Immunantwort.

Blick nach Deutschland

Wie in Österreich wird auch in Deutschland seit Ende 2020 gegen Covid-19 geimpft. Zuerst nur mit dem Impfstoff von Biontech, später auch mit den Vakzinen von Moderna und AstraZeneca. Mittlerweile wurde im Nachbarland beschlossen, dass der Corona-­Impfstoff von AstraZeneca – wegen des Blutgerinnsel-Risikos – nur noch bei über 60-Jährigen ohne Einschränkung eingesetzt werden soll. Österreichs Impfgremium sah von einem solchen Schritt ab.

Ebenfalls wie in Österreich impfen aber auch in Deutschland die Bundesländer in unterschiedlichem Tempo, mit Bremen an der Spitze und Hessen am unteren Ende der Skala. In der Bundesrepublik ist derzeit etwa jeder Fünfte bereits mit der ersten Impfung versorgt.

Auf die Fallzahlen wirkt sich das jedoch noch nicht signifikant aus. Zum einen braucht der Körper bei den meisten Impfstoffen auch die Zweitimpfung, um den Schutz besser und dauerhafter aufrechtzuerhalten. Zum anderen ist eine Durchimpfung von 20 Prozent noch viel zu gering, um von einer Art Herdenimmunität zu sprechen. Die WHO spricht von einer Immunitätsrate von rund 70 Prozent, um eine Herdenimmunität zu erreichen.

(Impf)Reisen bald wieder möglich?

Nach fast eineinhalb von der Pandemie ­geprägten Jahren ist das Fernweh bei vielen groß. Hohe Erwartungen, wieder einen halbwegs „normalen“ Sommer verbringen zu können, werden derzeit an den „Grünen Pass“ geknüpft. Der Grüne Pass soll die Reisefreiheit für ganz Europa wieder ermöglichen. Zugleich soll er auch den Tourismus und somit die Wirtschaft ankurbeln.

Derzeit arbeiten dreizehn EU-Länder eifrig an der Gestaltung des neuen Dokuments. Wer geimpft, getestet oder genesen ist, soll bald so einen Pass bekommen. Europaministerin Karoline Edtstadler ist zuversichtlich, dass er bis zum Sommer auf europäischer Ebene beschlossen und koordiniert sei. Mit dem Nachweis, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht, weil sie geimpft, getestet oder genesen sind und Antikörper haben, soll es den Menschen dann wieder möglich sein, zu reisen und Flüge und Hotels zu buchen. Die Vorfreude auf eine Art Vor-Corona-Normalität steigt also mit den Temperaturen.

-E. AYAZ

MEHR ZUM THEMA

Ohne die Kommunen geht beim Impfen nichts

Eine Gemeinde impft

Corona-Impfung: Keine Angst vor einem Stich

© Copyright - Kommunalnet