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Sicherheit

29.09.2021

Winterdienst: Effizienter streuen

Auch wenn der Klimawandel die Temperaturen in die Höhe treibt, wird schon bald wieder geräumt und gestreut werden müssen. Neue Techniken ermöglichen es, den Winterdienst effizienter durchzuführen als früher.

Bereits vor fast zehn Jahren hat man begonnen, den Standard der Feuchtsalzstreuung – 30 Prozent Sole, 70 Prozent Trockensalz – zu hinterfragen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts wurde festgestellt, dass man den Salzanteil durchaus den jeweiligen Umständen entsprechend anpassen kann.

Wie viel Salz man beimischen muss, hängt von drei Faktoren ab:

  1. der Niederschlagsmenge,
  2. der Temperatur, vor allem die Temperatur der Fahrbahn und
  3. der Menge des Verkehrs, denn wenn viele Autos fahren, wird mehr von dem Salz aufgewirbelt und von der Fahrbahn getragen. Das muss dann durch erneutes Streuen ausgeglichen werden.

Wahl der richtigen Streumenge

Entscheidend ist es, die an die Situation angepasste Streumenge zu verwenden. „Um die Umwelt und das Gemeindebudget zu schonen, sollte nur die Menge an Salz ausgebracht werden, die man auch wirklich braucht“, sagt Josef Neuhold, Leiter des Arbeitsausschusses Winterdienst der Österreichischen Forschungsgesellschaft Straße – Schiene – Verkehr (FSV).

Heute variiert der Anteile an Sole, der verwendet wird zwischen 30 und 100 Prozent. „In vielen Bereichen ist aber reine Solestreuung völlig ausreichend“, meint Neuhold. Das gelte etwa bei Reifglätte oder beim präventiven Streuen.

Die Hersteller von Streufahrzeugen haben auf diese Entwicklung reagiert und bieten heute Fahrzeuge an, mit denen eine flexible Streuung erfolgen kann, also etwa 50 Prozent Trockensalz und 50 Prozent Sole oder vielleicht 30 Prozent Salz und 70 Prozent Sole. Seit einiger Zeit gibt es auch Kombinationsstreumaschinen, mit denen die Sole mittels Streutellern ausgebracht werden kann.

Was tut man, wenn Salzstreuung nicht reicht?

Es gibt allerdings Situationen, wo Salzstreuung die Grenzen der Wirksamkeit erreicht. Hier wird empfohlen, auf die Minimalstreumenge (zehn Gramm pro Quadratmeter) hinunterzugehen, damit der Solefilm erhalten bleibt, und vor allem gut zu räumen. Die Erhaltung des Solefilms ist deswegen wichtig, damit der Schnee räumfähig bleibt. Außerdem wird damit sichergestellt, dass nach Ende des Schneefalls das ausgebrachte Salz reicht.

„Ganz wichtig ist, dass schon vor Beginn der Niederschläge ein erster Solefilm auf die Fahrbahn gebracht wird“, erklärt Josef Neuhold. Hier sei es wichtig, die Wettersituation im Auge zu behalten. Mit modernen Nowcastmodellen ist es möglich, ständig einen Überblick über die aktuelle Lage zu erhalten.

Wie viel Salz ist noch auf der Straße?

Wenn bereits Winterdienst gemacht wurde, ist es wichtig zu wissen, wie viel Salz noch auf der Straße vorhanden ist. Neuhold: „Salz speichert sich in den Vertiefungen an der Oberfläche der Fahrbahn. Das ist etwa bei Reifglätte oft ausreichend, und man muss dann nur fünf Gramm oder vielleicht zehn Gramm nachstreuen.“ Größere Einsatzleitungen verwenden Restsalzmessgeräte um festzustellen, welche Salzmenge noch auf der Straße liegt. „Erfahrene Winterdienstprofis haben es aber auch im Gespür, wie viel sie nachstreuen müssen“, weiß Neuhold.

Wie oft muss man streuen?

Unentbehrlich für effizienten Winterdienst ist, dass es fix zugeteilte Routen gibt, die zu befahren sind. Das muss bereits vor dem Einsetzen der ersten Niederschläge klar festgelegt werden, damit auch etwa beim Ausfall der Einsatzleitung jeder Fahrer weiß, wo er unterwegs sein muss.

Die Mindestumlaufzeiten, also wie lange ein Fahrer maximal unterwegs sein darf, bevor er von Neuem beginnen muss, sind österreichweit einheitlich festgelegt und hängen von der Bedeutung der jeweiligen Straße ab. Bei Autobahnen und Schnellstraßen beträgt die Umlaufzeit maximal drei Stunden, Landesstraßen mit einer jährlich durchschnittlichen täglichen Verkehrsstärke (JDTV) von 5.000 Kfz am Tag müssen in maximal fünf Stunden befahren werden. Für Landesstraßen mit einer JDTV von weniger als 1.000 Kfz pro Tag gibt es keine Mindestumlaufzeit.

Dokumentation der Winterdiensteinsätze

Um den Winterdienst effizient durchzuführen ist es nötig, die Einsätze genau zu dokumentieren. Festzuhalten ist dabei:

  • Wann wurde verständigt?
  • Wann wurde ausgefahren?
  • Welche Strecke wurde befahren?
  • Was wurde gemacht? Also ob geräumt oder gestreut oder beides gemacht wurde.
  • Welche Menge an Streumittel wurde ausgebracht?
  • Wie lange war das Fahrzeug unterwegs?

Im Normalfall werden darüber Listen und ein Fahrtenbuch geführt, mittlerweile gibt es, vor allem für das höherrangige Straßennetz, auch Einsatzdatenerfassungssysteme, die automatisch protokollieren.

Die Dokumentation der Einsätze ist auch deswegen wichtig, um für Klagen, etwa nach Unfällen, gewappnet zu sein. Da die Verjährungsfrist für Schadenersatzansprüche drei Jahren beträgt, rät Experte Neuhold, die Unterlagen mindestens vier Jahre aufzuheben.

Schnee nicht einfach in den Bach schütten

Bei den Schulungen, die Neuhold hält, muss er immer wieder darauf hinweisen, dass Räumschnee nicht einfach in Gewässer geleert werden darf. „Der Schnee ist meistens mit Streumittel angereichert. Daher ist eine wasserrechtliche Bewilligung notwendig“, erklärt er. Wenn diese vorliegt, muss dokumentiert werden an welcher Stelle wie viel Schnee in den Bach, Fluss oder See eingebracht wurde.

Pflichten der Anrainer

Neuhold rät Gemeinden jedes Jahr vor Winterbeginn die Hausbesitzer auf ihre Pflichten aufmerksam zu machen. „Laut Straßenverkehrsordnung müssen Anrainer zwischen sechs Uhr früh bis zehn Uhr abends den Gehsteig räumen und bestreuen“, erläutert er. Wenn das, etwa aus beruflichen Gründen, nicht möglich ist, muss für eine Vertretung gesorgt werden. „Viele Gemeinden weisen auf diese Verpflichtung in der Gemeindezeitung hin. Das ist eine gute Lösung.“

-H.REINDL (KOMMUNAL)

 

Über den Autor

Helmut Reindl ist Redakteur bei KOMMUNAL und Chefredakteur der NÖ Gemeinde.

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