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Best-practice

Soziales

13.04.2026

33 Prozent Migrationsanteil: So gelingt Integration in der Gemeinde

Traun in Oberösterreich ist keine Großstadt – aber sie steht vor Herausforderungen, die viele urbane Zentren kennen. Rund ein Drittel der 26.000 Einwohnerinnen und Einwohner hat Migrationshintergrund, insgesamt leben etwa 28 Ethnien in der Stadt. Wie kann unter solchen Bedingungen gesellschaftlicher Zusammenhalt gelingen? Im Podcast „Amtsgeheimnisse“ spricht Bürgermeister Karl-Heinz Koll über seinen Ansatz: „Integration ist ein Geben und Nehmen.“

Vom Problemviertel zur Begegnungszone

Als Koll 2021 das Amt übernahm, fand er in der Innenstadt eine Wohnanlage mit Bewohnern vor, die nur unter sich bleiben – für ihn ein Symbol gescheiterter Integration. „Das Wichtigste ist, keine Ghettobildungen und keine Parallelgesellschaften entstehen zu lassen“, betont Koll. Die Lösung: Abriss und Neubau. Neue Wohnprojekte werden bewusst sozial gemischt – Eigentum, geförderter Wohnbau und Miete in ausgewogenem Verhältnis.

Gelungenes Projekt im Stadtkern: Schloss Traun mit der schönen Wasserlandschaft und dem Kulturhaus Spinnerei. Bild: Florian Kollmann

Dialog statt Eskalation

Konflikte auf Spielplätzen oder in Wohnanlagen werden nicht primär polizeilich gelöst. Koll setzt auf direkte Gespräche mit Familienoberhäuptern und Community-Leadern. Gerade in patriarchal geprägten Strukturen zeige das Wirkung. Mit einer Integrationsplattform und dem „Dialog der Religionen“ schuf die Stadt institutionalisierte Gesprächsräume. Ein positives Beispiel: Ein großer Islamverein initiierte nach Kontakt mit der Stadt einen Blutspendeaufruf – mit rekordverdächtiger Beteiligung.

Integration passiert im Verein

Der vielleicht wichtigste Hebel liegt im Vereinswesen. 160 Vereine bei 26.000 Einwohnern – diese Dichte ist beachtlich. Die Stadt investiert jährlich rund 1,2 Millionen Euro in Vereinsförderungen. Ob Fußball, Tennis oder Handball: Sport schafft Begegnung, Sprachpraxis und gemeinsame Erlebnisse.

Klare Regeln als Fundament

Neben Offenheit setzt Koll auf klare Grenzen. Nicht genehmigte religiöse Vereine wurden geschlossen, rechtliche Möglichkeiten konsequent ausgeschöpft. Integration bedeute eben auch, Werte klar zu vertreten. Bürgermeister Karl-Heinz Koll ist überzeugt: „Man muss agieren, nicht reagieren.“ Sein Credo: „Integration muss in allen kommunalen Bereichen mitgedacht werden – von Stadtplanung über Bildung bis zur Bürgerkommunikation.“

Traun versteht sich damit nicht als fertiges Erfolgsmodell, sondern als lernende Stadt. Doch eines zeigt das Beispiel deutlich: Integration gelingt dort am besten, wo Politik gestaltet statt nur verwaltet.

-REDAKTION

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