Der ländliche Raum im Fokus
Sieht man sich die Verteilung nach der Gemeindegröße an zeigt sich, dass Ärzte und Ärztinnen in kleineren Gemeinden in Österreich der Telemedizin skeptischer gegenüberstehen als deren Kolleginnen und Kollegen aus größeren Gemeinden/Städten. Jene Medizinerinnen und Mediziner, welche in Gemeinden – die kleiner als 10.000 EinwohnerInnen sind – praktizieren, lehnen Telemedizin weithäufiger in ihrem Alltag ab als jene, die aus Gemeinden/Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern kommen. Hingegen zeigen die Ergebnisse, dass Medizinerinnen und Mediziner, die in urbanen Regionen praktizieren, die Telemedizin häufiger befürworten und aktiv in ihrem Arbeitsalltag verwenden.“Ich kann PatientInnen sowohl hören als auch sehen, die es nicht in die Einrichtung schaffen.” (befragte/r MedizinerIn).Aber nicht nur die Versorgung von Patientinnen und Patienten wird an dieser Stelle hervorgehoben auch eröffnet die Telemedizin aus Sicht der Befragten, die Möglichkeit die Kommunikation mit KollegInnen über regionale Grenzen hinaus zu verbessern.
“Es können Spezialistinnen und Spezialisten hinzugezogen werden, die in einem anderen Landesteil sind.”(befragte/r MedizinerIn)Somit kann auch in Zukunft in strukturschwachen Regionen ein engmaschiges Versorgungssystem sichergestellt werden.
Ist Telemedizin barrierefrei?
Auf die Frage nach der Barrierefreiheit bei telemedizinischen Leistungen werden sowohl Vor- als auch Nachteile angesprochen. Für Menschen mit Behinderungen kann die telemedizinische Betreuung von Vorteil sein, bei sprachlichen Barrieren, Hörprobleme und fehlenden technischen Mitteln beim Patienten/bei der Patientin hingegen ein Nachteil. Vor allem die fehlende Technikaffinität (insbesondere bei älteren Menschen) und die unterschiedliche Qualität der genutzten technischen Geräte führen aus Sicht der befragten MedizinerInnen zu Barrieren. Barrieren beziehen sich aber nicht nur auf Hindernisse für Patientinnen und Patienten, sondern stellen auch Herausforderungen für Ärztinnen und Ärzte dar. Hürden ergeben sich für Medizinerinnen und Mediziner insbesondere dadurch, dass diese Form der Konsultation keinen direkten persönlichen Kontakt, keine persönliche Untersuchung beinhaltet und auch die Mimik und Gestik kaum oder anders wahrzunehmen sind.Standards sind wichtig
Im Zuge der Digitalisierung in vielen Lebensbereichen geht es nicht nur um die Frage, ob telemedizinische Leistungen ausgebaut werden, sondern vor allem wie sie ausgebaut und angewendet werden kann. MedizinerInnen sehen die Entwicklung von Leitlinien und Standards, Qualitätssicherung und eine Diskussion zu den Grenzen dieser Betreuungsform als wichtig. Herausforderungen bei telemedizinscher Betreuung sehen Medizinerinnen und Mediziner in der rechtlichen Absicherung ihrer Tätigkeit, bei Fragen der Honorierung sowie bei der Einhaltung des Datenschutzes. Generell sind die Anwendungsmöglichkeiten telemedizinischer Konsultationen situationsabhängig. Auf welche Art und Weise MedizinerInnen telemedizinische Betreuung anbieten können, schwankt naturgemäß unter den Fachrichtungen.Ausblick
Die Haltung gegenüber telemedizinischer Betreuung wird von den befragten Medizinerinnen und Medizinern eher positiv gesehen. Es zeigen sich Herausforderungen und Barrieren sowohl von Seiten der Patientinnen und Patienten als auch der Ärztinnen und Ärzte. Demgegenüber stehen Potentiale in der Versorgung von Patientinnen und Patienten vor allem im ländlichen Raum sowie der Schutz vor Infektionskrankheiten, welche besonders in der kommenden Winterzeit wieder an Relevanz gewinnen werden. Nähere Informationen zu den Ergebnissen des ersten Telemed Monitor Österreich finden Sie unter: www.telemedmonitor.at– I.JUEN, CH.HAINZL


