Künstliche Intelligenz

23.02.2026

Warum ich meine eigene KI-Kolumne heute anders schreiben würde

Matt Shumer, Gründer eines KI-Startups in New York, hat einen vielbeachteten Artikel veröffentlicht: er beschreibt seiner KI was er braucht, geht vier Stunden weg und kommt zurück zu einem fertigen Produkt, das besser ist als er es selbst hätte machen können. Kein Entwurf, kein Nachbessern. Fertig. Sein Fazit: Wir stehen vor einer Veränderung, die größer ist als das Internet. Ich lese sowas normalerweise mit gesunder Skepsis. Diesmal nicht – weil er etwas beschreibt, das ich selbst jeden Tag erlebe.

Als ich im November 2025 die erste Ausgabe dieser Kolumne geschrieben habe, hieß sie „Warum KI kein Grund zur Sorge ist.“ Ich habe damals geschrieben, dass KI niemanden ersetzt, dass wir die Kontrolle behalten, dass die Technik ein Werkzeug ist und wir die Handwerker. Ich würde das heute anders schreiben.

Erinnern Sie sich an die ersten Webseiten?

In den späten 1990ern haben viele gesagt, dass sich das Inernet nie durchsetzen wird – blinkender Text, ewig lande Ladezeiten usw. Sie hatten mit der Bewertung des Ist-Zustands Recht, lagen aber bei der Einschätzung der Richtung komplett daneben. Genau das passiert gerade wieder. Wenn man KI in den letzten Monaten ausprobiert hat, hat man vermutlich eher den Ist-Zustand bewertet – nicht die Richtung, in die sie sich entwickeln könnte. Damit Sie ein Gefühl dafür bekommen:

  • 2022 hat KI Ihnen selbstbewusst erklärt, dass 7 × 8 = 54 ist.
  • 2023 hat sie die amerikanische Anwaltsprüfung bestanden.
  • 2024 konnte sie funktionierende Software schreiben und Wissenschaft auf Universitätsniveau erklären.
  • Ende 2025 haben einige der besten Ingenieure der Welt den Großteil ihrer Programmierarbeit an KI übergeben.
  • Anfang Februar 2026 kamen neue Modelle, die alles davor wie ein anderes Zeitalter wirken lassen.

Vom Werkzeug zum Kollegen

Die Schlagzeilen aus amerikanischen Tech-Medien sagen: KI wird alle ersetzen. Panik. Apokalypse. Meine Botschaft ist eine andere: KI wird vom Werkzeug zu einem Kollegen, der immer schneller lernt.

Es gibt mittlerweile autonome KI-Agenten, die selbstständig Aufgaben übernehmen: E-Mails bearbeiten, Termine koordinieren, Dokumente zusammenfassen, Code schreiben. Rund um die Uhr, ohne dass jemand daneben sitzt. Aber ein Kollege ist nur so gut wie das Umfeld, in dem er arbeitet. Genau das ist es, was wir bei KIUMI machen: wir schaffen die Voraussetzungen dafür, dass KI in Ihrem konkreten Arbeitsumfeld wie ein Kollege funktionieren kann.

Denn Gemeinden haben etwas, das Tech-Startups nicht haben: Amtshaftung, demokratische Legitimation, regulatorische Pflichten. Ein KI-Agent kann einen Förderantrag prüfen, aber keinen Bescheid unterschreiben. Er kann eine Bürgeranfrage beantworten, aber nicht in einer Gemeinderatssitzung Rede und Antwort stehen. Diese Dinge geben Ihnen Zeit. Aber nur, wenn Sie diese Zeit nutzen.

Was sich konkret verändern wird

  • Sachbearbeitung

    Sachbearbeitung wird sich fundamental wandeln. Das Land Kärnten hat öffentlich gemacht, was viele noch für Zukunftsmusik halten: Ein KI-Agent prüft Förderanträge automatisch auf Vollständigkeit. Die Daten verlassen dabei nie die eigenen Rechenzentren. 300 Stellen sollen in den nächsten fünf Jahren nicht nachbesetzt werden. Jeder Prozess, der daraus besteht, Dokumente zu lesen, auf Vollständigkeit zu prüfen und eine Entscheidung vorzubereiten, ist automatisierbar. Ihre Rolle verschiebt sich: von der Ausführung zur Kontrolle.

  • Bürgerservice

    Bürgerservice wird ein anderes Gesicht bekommen. Nicht die frustrierenden Chatbots von vor fünf Jahren, sondern echte KI-Agenten, die komplexe Anfragen verstehen und fundierte Antworten geben. 24 Stunden, 7 Tage, in jeder Sprache. Ihre Rolle: Die schwierigen Fälle. Die menschlichen Situationen. Das, wo Empathie und Ermessen gefragt sind.

  • Wissensmanagement

    Wissensmanagement wird kritisch. Wenn erfahrene Mitarbeiter in Pension gehen, geht ihr Wissen mit ihnen. KI kann dieses Wissen erfassen und für Nachfolger verfügbar machen – aber nur wenn man jetzt damit anfängt.

„Aber der Datenschutz!“

Zu Recht das erste Wort, das in jeder Verwaltungsdiskussion fällt. Aber schauen Sie sich an, was das Land Kärnten gemacht hat: eine landesinterne KI-Anwendung, bei der keine Daten die eigenen Rechenzentren verlassen. Das ist also kein ungelöstes Problem. Datenschutz ist nicht der Grund, nichts zu tun – er ist eine Anforderung, die erfüllt werden muss und erfüllt werden kann.

Was Sie jetzt tun können

Wissen Sie nicht, wo Sie anfangen sollen? Fragen Sie die KI. Geben Sie ihr einfach eine Liste Ihrer konkreten Alltagsaufgaben und fragen Sie, wobei Sie helfen könnte. Zum Beispiel so:

„Ich arbeite in der Gemeindeverwaltung. Hier sind meine typischen Aufgaben:

  • Manueller Übertrag der Daten aus Excel in das Verwaltungssystem
  • Sammlung und Ablage von Bürger-E-Mails auf dem internen Laufwerk
  • Koordination von Terminen zwischen Abteilungen und externen Stellen
  • Erstellung von Protokollen nach Gemeinderatssitzungen
  • Beantwortung wiederkehrender Anfragen zu Öffnungszeiten, Zuständigkeiten und Formularen
  • Erstellung monatlicher Berichte auf Basis verschiedener Excel-Tabellen
  • Übersetzung von Bescheiden und Mitteilungen für fremdsprachige Bürger
  • Prüfung von Förderanträgen auf Vollständigkeit

Bei welchen dieser Aufgaben könntest du mich konkret unterstützen?“

Die Antwort wird Sie überraschen. KI kennt ihre eigenen Stärken und erklärt Ihnen ganz konkret, was sie übernehmen, beschleunigen oder vereinfachen kann. Das ist oft der schnellste Weg, um herauszufinden, wo sich der Einstieg lohnt.

Probieren Sie es einfach aus. Auf playground.ikangai.com können Sie aktuelle KI-Modelle direkt im Browser und ohne Anmeldung testen. Stellen Sie eine echte Frage aus Ihrem Arbeitsalltag: „Fasse mir diese Verordnung zusammen“ oder „Welche Fristen muss ich bei diesem Förderantrag beachten?“

Geben Sie der KI echte Arbeit. Laden Sie ein Dokument hoch, lassen Sie einen Bescheid-Entwurf schreiben. Der erste Versuch wird vielleicht nicht perfekt sein. Was heute „fast funktioniert“, wird in sechs Monaten zuverlässig funktionieren.

Identifizieren Sie Ihre Zeitfresser: Die Förderanträge, die manuell geprüft werden. Die immer gleichen Bürgeranfragen. Die Protokolle. Die Daten, die zwischen Systemen kopiert werden.

Investieren Sie in Ihre Leute. Die wichtigste Fähigkeit der nächsten Jahre ist nicht, ein bestimmtes KI-Tool zu kennen — sondern die Bereitschaft, sich schnell an neue anzupassen und sich kontinuierlich mit KI zu beschäftigen.

Content für Ihre Gemeindezeitung

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Die eigentliche Botschaft

Vor drei Monaten habe ich Ihnen gesagt: KI ist ein Werkzeug. Das stimmte damals. Heute ist sie auf dem Weg zum Kollegen – einem, der immer schneller lernt, nie müde wird und bald Dinge kann, für die wir heute noch studierte Fachkräfte brauchen. Das muss kein Grund zur Panik sein. Aber es ist ein Grund, jetzt aktiv zu werden. Kärnten zeigt, wie das geht: nicht abwarten, nicht in Panik verfallen, sondern gestalten. Mitarbeiter mitnehmen. Prozesse neu denken. Die Kontrolle behalten. Die Frage, wie wir KI einsetzen – diese Frage liegt bei uns. Bei Ihnen.

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